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Jens Heckl:
Gewerkschaftlicher Bergbau im Fürstentum Minden und in der Grafschaft Ravensberg 1740-1827, Teil 2

Die Geschichte des Bergbaus im Fürstentum Minden und in der Grafschaft Ravensberg hatte 1955 Gustav Griese erstmals umfassend thematisiert. Auf dessen Forschungsergebnisse aufbauend erschienen in den darauf folgenden Jahrzehnten immer wieder Studien, die sich entweder mit den gesamten bergbaulichen Verhältnissen zwischen Weser und Ems beschäftigten oder einzelnen Bergbauregionen bzw. Bergwerken in den genannten Territorien widmeten. Für all diese Beiträge waren zum Teil ergänzendes Quellenmaterial aus verschiedenen Archiven ausgewertet, zum Teil Grieses Darstellungen unkritisch übernommen worden. Was bislang fehlt, ist eine auf schriftliche Überlieferungen basierende Gesamtdarstellung des gewerkschaftlichen Bergbaus in Minden-Ravensberg, die Griese nicht verfassen konnte, weil ihm zahlreiche Quellen nicht zugänglich waren.

Ebenso blieben bisher wichtige historische Sachverhalte, die Bedeutung des Bergbaus innerhalb der Wirtschaftsstruktur der Provinz Minden-Ravensberg und der für die montanwirtschaftliche Entwicklung der genannten Provinzen bedeutsamen, 1742 gegründeten Minden-Ravensbergischen privilegierten Gewerkschaft oder gar der neben ihr existierenden Gewerkschaften unbeachtet. Der folgende Beitrag möchte die Herausbildung und das Wirken von Gewerkschaften sowohl administrativ als auch unternehmerisch im Zeitraum zwischen 1741 und 1827 untersuchen und den Stellenwert des Bergbaus in Minden-Ravensberg innerhalb des Wirtschaftsgefüges der Provinz herausarbeiten. Immerhin hatte die montanwirtschaftliche Tätigkeit zur Folge, dass sich privater Bergbau, vor allem auf Steinkohlen, für mehrere Jahrzehnte etablieren konnte, welcher nicht wie in der Zeit vor 1742 kurzlebig war. Der gewerkschaftliche Bergbau entwickelte sich nämlich zu einem Wirtschaftsfaktor einer ansonsten auf Landwirtschaft und Leinenproduktion spezialisierten Provinz im westlichen Teil der preußischen Monarchie. Darüber hinaus besaß die Branntweinproduktion und die Zuckerfabrik in Minden lokale Bedeutung. Der Bergbau in Minden-Ravensberg sollte - sei es beschäftigungspolitisch oder in seiner Förderkapazität - zwar nie die Bedeutung des märkischen Steinkohlenbergbaus erlangen, nahm aber zeitweilig eine wichtige Schlüsselposition bei der Versorgung der Provinz mit Brennstoffen ein.