vorige Hefte

Thomas Stöllner/Zeinolla Samaschev/Sergej Berdenov/Jan Cierny †/Jennifer Garner/Alexander Gorelik/Galina A. Kusch:
Bergmannsgräber im bronzezeitlichen Zinnrevier von Askaraly, Ostkasachstan?

Die Frage nach der Bedeutung von Gerätebeigaben in urgeschichtlichen Gesellschaften steht im Zentrum des Aufsatzes und wird vor dem Hintergrund einer breiten Forschungsdebatte an einem neuen Befund in Ostkasachstan exemplarisch diskutiert. Dort wurde bei Grabungen des Deutschen Bergbau-Museums Bochum, des Archäologischen Instituts Margulan sowie des Ostkasachischen Heimatmuseums eine Reihe von Steinschlägeln entdeckt, die in und bei bronzezeitlichen Gräbern der Andronovo-Kultur niedergelegt waren. Das Gräberfeld von Mastau Baj (Askaraly) liegt innerhalb eines in derselben Zeit genutzten Zinnabbaugebietes. Mit Sicherheit haben wir es somit mit den Bestatteten der bergbautreibenden Gemeinschaft in Askaraly zu tun. Die Beigabe von Schlägeln ist aber ungewöhnlich. Ihre Niederlegung verweist auf diesen gemeinschaftlichen Aspekt: Man fand sie nicht nur in den Grabkisten, sondern vor allem neben diesen und in den Steinkreisen der Gräber. Es handelt sich also eher um einen gemeinschaftlichen Ritus. Insofern wird der Befund in die aktuelle Forschungsdebatte eingegliedert, die nur oberflächlich betrachtet nach der Identifikation eines Handwerkers oder Bergmannes anhand solcher Beigaben fragt. Vielmehr geht es vor allem darum, in wieweit sich gesellschaftliche Zugehörigkeit und gesellschaftliche Normen weit eher spiegeln als individueller Stand (im Sinne der individuellen Leistung und Lebensgeschichte). Somit berührt diese Frage auch die Diskussion um Versatzstücke von Handwerksgräbern in metallzeitlichen Elitegräbern ganz allgemein.