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Martin Straßburger/Willy Tegel:
Holznutzung und Bergbau im Schwarzwald während des Mittelalters und der Neuzeit

Holz gehört zu den weitaus häufigsten Fund- und Befundgattungen unter Tage. Ein Schwerpunkt der montanarchäologischen und dendrochronologischen Untersuchungen lag bisher in der Grube Schauinsland bei Freiburg. Weitere Probenreihen stammen aus den Gruben Caroline bei Sexau, Segen Gottes bei Haslach-Schnellingen im Kinzigtal und Teufelsgrund im Münstertal. In der Regel handelt es sich bei den dendrochronologisch untersuchten Hölzern um Teile des Grubenausbaus. Holz wurde in Bergwerken vielfältig eingesetzt. Der Werkstoff fand im untertägigen Betrieb vor allem Verwendung für Grubenzimmerung, Feuersetzen, Wasserkünste, Fahrungseinrichtungen, Gezähestiele und für Keile zum Treiben.

Die häufig sehr guten Erhaltungsbedingungen ergeben sich durch die Grubenwässer oder den luftdichten Abschluss in lehmigen Sedimenten. In den Grubenwässern sind verschiedene Minerale aus den Blei-Zinkerzgängen gelöst. Vor allem Zink ist relativ leicht löslich und wirkt holzkonservierend. Schutzsalze bzw. chemikalische Mischungen für die Holzkonservierung in den Bergbaubetrieben des 20. Jahrhunderts enthielten hauptsächlich Fluor- und Zinksalze. Die Erhaltungsbedingungen können sich unter Tage kleinräumig verändern. Bei fehlender Bewetterung und feuchten Bedingungen kommt es zu einer Zersetzung der Holzsubstanz durch Pilze. Jedoch in dauerfeuchtem Milieu, in Sediment eingebettet unter weitgehendem Abschluss von Luftsauerstoff, kann Holz über Jahrtausende überdauern. Holzfunde enthalten ein bedeutendes Informationspotential, denn hinter der Abfolge von Jahrringen unterschiedlicher Breite verbergen sich nicht nur absolutchronologische Daten, sondern auch ein veritables Klimaarchiv. Bearbeitungsspuren auf den Holzoberflächen erzählen Technikgeschichte.