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Lars Bluma:
Der Hakenwurm an der Ruhr.
Umwelt, Körper und soziale Netzwerke im Bergbau des Kaiserreichs

Die bergmännische Arbeit war vor allem im Bergbau unter Tage geprägt von erheblichen Risiken für die Gesundheit und das Leben des Bergmanns, was sich im erhöhten Unfallrisiko am deutlichsten zeigt. Im Zuge der Industrialisierung des Ruhrbergbaus seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden zudem neue berufsspezifische gesundheitliche Risiken, wie z. B. das Augenzittern der Bergleute (Nystagmus), die Staublungenerkrankungen (Silikose) und der Hakenwurmbefall (Ankylostomiasis). Am Beispiel der letztgenannten Hakenwurmepidemie um 1900 wird dieser Beitrag die Entstehung eines spezifischen medizinischen Akteur-Netzwerks beschreiben, in dessen Zentrum die Gesundheit, Hygiene und der Körper des Bergmanns sowie seine bergmännische Umwelt standen. Die Reaktionen und Anpassungsleistungen des Allgemeinen Knappschaftsvereins zu Bochum (AKV) als einer der Hauptakteure im bergmännischen Medizinalsystem des industrialisierten Ruhrgebiets an die Hakenwurmepidemie werden hierbei einer historischen Analyse unterzogen, die sich methodisch an Konzepten der Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) und der Körpergeschichte orientiert.