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Ralf Bierod:
Die Teerkuhlen von Hänigsen
Gewinnung und Vermarktung von der Frühen Neuzeit bis um 1930

Das Dorf Hänigsen befindet sich 35 km nordöstlich von Hannover und 20 km südlich der Residenzstadt Celle. Im 16. Jahrhundert gehörte es zum Territorium des Herzogtums Lüneburg. Das natürliche Erdölvorkommen, das heute noch am so genannten Kuhlenberg an die Oberfläche tritt, liegt am Rande des Salzstockes Riedel und zog in den folgenden Jahrhunderten immer wieder Fachleute an. Diese Quellen waren in der Frühen Neuzeit selten. Es gab sie in Niedersachsen noch an einigen anderen Orten, darunter in Edemissen. Die Gewinnung wandelte sich in den Jahrhunderten ebenso wie der Zweck, für den der "Schmers" genannte Teer bestimmt war.

In der Frühen Neuzeit machte das Phänomen des an der Erdoberfläche austretenden Erdöls Hänigsen überregional bekannt. Mehrfach versuchte die kurfürstliche und später königliche Landesregierung Hannover, im Sinne einer kameralistischen und merkantilistischen Politik den Rohstoff in exportfähigem Umfang zu fördern. Doch weil die Teerquellen in einer immerfeuchten, Kienmoor genannten, Sumpflandschaft lagen, scheiterte das Vorhaben stets an der fehlenden Entwässerung, und die Förderung blieb über Jahrhunderte in den Händen der ortsansässigen Bauern. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts rückten hier zahllose Bohrgesellschaften an und brachten nahezu 40 Jahre lang erfolglos Bohrungen nieder. Erst nach dem Ersten Weltkrieg gelang einigen der erste Gewinn, bis sich das Gebiet in den 1930er-Jahren zu einem der wichtigsten Erdölfördergebiete Deutschlands entwickelte. Der Aufsatz zeichnet die Geschichte der Teerkuhlen von Hänigsen nach.