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Hans-Joachim Gleichmann:
Der Bericht Alexander von Humboldts über das Berg- und Hüttenwesen in der Grafschaft Sayn-Altenkirchen in dem Grenzraum Siegerland/Westerwald 1795, Teil 2

Das bergmännische Wirken Alexander von Humboldts in den mehr als fünf Jahren vor der Vorbereitung und Durchführung seiner berühmten, die Welt umspannenden Forschungsreisen, ist in der Literatur in den letzten Jahrzehnten zunehmend gewürdigt worden. Sein Gutachten über den Zustand des Bergbaus und Hüttenwesens in den Fürstentümern Bayreuth und Ansbach aus dem Jahre 1792 gilt noch heute als ein Meisterwerk wissenschaftlich klarer und praktisch verwertbarer Berichterstattung.

Nachdem Humboldt 1793 die technische Leitung des Bergbaus in den Fürstentümern Ansbach und Bayreuth von dem kgl. preußischen Geheimen Etats-, Kriegs-, Kabinetts- und diese Fürstentümer "dirigierenden" Minister Karl August Freiherr von Hardenberg (1750-1822) übertragen erhalten hatte, schrieb er nach etwa zweijähriger überaus intensiver Tätigkeit dort unter dem 28. April 1795 und dem 25. Juni 1795 Generalbefahrungsberichte über die von ihm betreuten fränkischen Berg- und Hüttenbetriebe in den Bergamtsrevieren Naila, Wunsiedel und Goldkronach. Diese Berichte werden als Bilanz des bergmännischen Wirkens Humboldts in Franken und als eine Art Vermächtnis für seinen Nachfolger gewertet.

Dass seine berufliche Tätigkeit als fränkischer Oberbergmeister Humboldt bereits im September 1794 in die im Grenzraum des südwestlichen Siegerlandes zum Hohen Westerwald gelegene Grafschaft Sayn-Altenkirchen geführt hat, ist ebenfalls schon seit langem bekannt. Obwohl ein schriftlicher Bericht Humboldts über die Befahrungen in Sayn-Altenkirchen in den nächsten 200 Jahren in der Forschung nicht auftaucht, hat sich die regionale Heimatforschung immer wieder bemüht, auch ohne konkrete Kenntnis des Dokuments darüber zu publizieren. Eine breitgefächerte und intensivierte Suche ergab kürzlich den Hinweis aus dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin auf das dort zu einer preußischen Akte über die "Recherchierung des Berg- und Hüttenwesens in der Grafschaft Sayn-Altenkirchen 1801-1802" gelangte Gutachten Alexander von Humboldts vom 20. Juni 1795. Der genannten Akte zwei Ausfertigungen dieses Gutachtens vorgeheftet. Seiner guten Lesbarkeit wegen ist die zweite Ausfertigung der hier vorgelegten eingehenden Behandlung des Berichts zugrunde gelegt worden.