vorige Hefte

Björn Zech:
Die Zeche Zollern II/IV in Dortmund-Bövinghausen von 1945 bis 1955

Die Geschichte des Ruhrbergbaus und der Bergarbeiter gehört zu den wissenschaftlich am besten erschlossenen Themengebieten der Sozialgeschichte. Dies gilt auch für die Zeit zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Kohlenkrise 1958. Dennoch zeigen sich auch hier noch Forschungslücken. Während des Krieges hatten etwa 150 000 Fremdarbeiter die Förderleistung des Ruhrbergbaus sichergestellt. Durch ihre Befreiung, die mit Kriegsende erfolgte, verloren die Zechen die Hälfte ihrer Untertagearbeiter. Gleichzeitig befanden sich die Grubengebäude nach dem jahrelangen Raubbau der NS-Zeit in desolatem Zustand.

Ausgerechnet im Moment des Zusammenbruchs sollte den Zechen an der Ruhr jedoch die Schlüsselrolle für den europäischen Wiederaufbau übertragen werden. Der Ruhrbergbau musste in Vorleistung treten und den Energieträger stellen, mit dem der Wiederaufbau Europas vorangebracht werden sollte. Der einzige Weg, um diesen enormen Anforderungen gerecht zu werden, war für die Zechen die Vergrößerung und Verjüngung der Belegschaften. Auf der Suche nach einem geeigneten Reservoir neuer Arbeitskräfte schien sich das Flüchtlingsproblem als Lösung anzubieten. Bis 1950 kamen etwa 8 Mio. Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und deutschen Siedlungsgebieten nach Westdeutschland. Hohe Fluktuationsraten und wenig stabile Belegschaften wurden zum Hauptproblem der Zechenleitungen.

Der Beitrag untersucht gängige historische Erklärungsmuster am konkreten Beispiel der Zeche Zollern II/IV. Auf der Grundlage eines umfangreichen Archivbestands von Marken- und Lohnlisten, Lohnsteuerkarten und Schichtzetteln wird eine detaillierte Analyse auf mikroökonomischer Ebene angestellt.