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Wilfried Reininghaus:
Kurfürstliche Bergbeamte contra Stadt Marsberg im Januar 1600.
Die Hintergründe eines bergrechtlichen Grundsatzstreits im Herzogtum Westfalen

Freitag, 21. Januar 1600: Der Landdrost und sieben Räte des Herzogtums Westfalen eröffnen im Arnsberger Schloss mehrtägige Verhandlungen, so genannte Verhörtage, zwischen den Bergbeamten des Territoriums und Vertretern der Stadt Marsberg. Sie erteilten den Parteien nacheinander das Wort in "einer hochwichtigen weitaussehenden bergsachen", wie einer der Beteiligten, der Amtmann von Bilstein und spätere Landdrost, Caspar von Fürstenberg, in seinem Tagebuch festhielt. Nachdem beide Seiten ihre Argumente ausgetauscht hatten, fanden dann Landdrost und Räte in Abstimmung mit dem Kurfürsten einen Kompromiss, der kaum alle Seiten befriedigt haben dürfte, vor allem die Bergbeamten nicht. Denn es ging um nicht weniger als um die vollständige Durchsetzung des landesherrlichen Bergregals im Herzogtum. Der Kompromiss wurde am 24. Januar 1600 in einer Vergleichsurkunde festgehalten, zwei Tage gewährte die Stadt Marsberg im Gegenzug dem finanzschwachen Kurfürsten einen Kredit über 1500 Reichstaler.

Das Protokoll der Verhörtage von Arnsberg erlaubt in einem seltenen Fall nachzuprüfen, wie in einem geistlichen Territorium mit Theorie und Praxis des Bergrechts an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert umgegangen wurde. Der Aufsatz stellt zunächst die Akteure dar, geht anschließend auf die Argumentation der streitenden Parteien und den gefundenen Kompromiss ein und nimmt schließlich eine zusammenfassende Bewertung des Streits vor.