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Ulrich Lauf:
Die deutschen Knappschaftsvereine (1854-1923).
Ein altes Sozialsystem im Rückblick

Der preußischen Bergrechtsreform in der Mitte des 19. Jahrhunderts verdankten sie ihre Gründung. Ihr partieller Modellcharakter für die staatliche Arbeiterversicherung war allgemein anerkannt. In den 70 Jahren ihrer Existenz - von 1854 bis 1923 - entfalteten die deutschen Knappschaftsvereine eine reiche Sozialkultur und setzten mit ihren Leistungen und innovativen Einrichtungen oftmals Maßstäbe. Doch es gab auch eine Kehrseite. Partikularinteressen führten zur Bildung kleiner und kleinster Vereine mit unsicherer Finanzbasis. Machtkämpfe zwischen Unternehmern und Bergarbeiter-Gewerkschaften beherrschten zum Teil die paritätische Selbstverwaltung. Und die Fusionsbemühungen der Aufsichtsbehörden führten nur langsam zum Ziel. 1913 bestanden noch 111 Knappschaftsvereine in Deutschland, erst ein Jahrzehnt später - nach einem Weltkrieg und einer Inflation - wurden sie im Reichsknappschaftsverein zusammengefasst. Der Aufsatz skizziert die Geschichte der deutschen Knappenvereine im Verlauf ihres Bestehens in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts.