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Dagmar Kift:
"Die Bergmannsheilige schlechthin".
Die Heilige Barbara im Ruhrgebiet der 1950er-Jahre

"Unter den Heiligengestalten, die im Montanwesen, nach Zeit und Raum wechselnd, als Berufspatrone auftreten, nimmt St. Barbara heute die beherrschende Stelle ein, ja sie gilt im allgemeinen Volksbewußtsein als die Bergmannsheilige schlechthin." Mit diesen Worten fasste der Montanvolkskundler Gerhard Heilfurth in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre den Stand der Barbara-Verehrung im Ruhrbergbau zusammen, wo "Barbarakult und Barbarafeier verhältnismäßig jungen Ursprungs und nicht im eigentlichen Sinn aus einer bodenständigen Tradition erwachsen" waren.

In den 1950er-Jahren erlebte die Barbara-Verehrung jedoch gerade im Ruhrrevier einen beachtlichen Aufschwung. Immer mehr Schachtanlagen, Lehrlingsheime und Einrichtungen der betrieblichen Ausbildung veranstalteten Barbarafeiern. Neue Barbaralieder und -stücke behaupteten einen engen Bezug zwischen der Heiligen und dem Bergbau. Ihr Bildnis breitete sich als Motiv in Kirchen und Vereinshäusern, auf Medaillen, Fahnen und Schmuckurkunden aus. Neue Straßen, Heime und Kirchen wurden nach ihr benannt.

Der Aufsatz zeigt, dass dieser Aufschwung der Barbara-Verehrung mit einer Modernisierung und Säkularisierung von Figur und Legende einherging, in deren Verlauf die katholische Schutzheilige zur Berufspatronin für alle Bergleute und zur "Bergmannsheiligen schlechthin" umfunktioniert wurde.