vorige Hefte

Claudia Küpper-Eichas:
Vom Montanrevier zum Rüstungsstandort.
Oberharzer Perspektiven in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Im 19. Jahrhundert hatte der einstmals berühmte Bergbau im Oberharzer Bergrevier seinen Höhepunkt bereits überschritten. Gegen Ende des Jahrhunderts wurde ein Fortbestand der Bergwerksbetriebe immer häufiger in Frage gestellt. Nach der Jahrhundertwende schloss dann schließlich ein Betrieb nach dem anderen die Tore. Es fehlte an Erwerbsalternativen in der vom Montangewerbe dominierten Region, was sich in der Zeit der Wirtschaftskrise in den 1930er-Jahren besonders schmerzlich bemerkbar machte. Die Nationalsozialisten verstanden es, aus der Perspektivlosigkeit der Einwohnerschaft des Oberharzes für ihre Zwecke Kapital zu schlagen. Wo wenige Jahre zuvor die Mehrheit der Wählerschaft für die Sozialdemokratie votierte, lagen nun die Wahlergebnisse der NSDAP über dem Reichsdurchschnitt. Nach dem Machtwechsel sorgte die nationalsozialistische Rüstungsmaschinerie für die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Die Produktion zur Destruktion bewirkte aber keinen nachhaltigen Strukturwandel im Harz. Nach dem Krieg standen die Oberharzer vor der gleichen Situation wie zu Beginn der 1930er-Jahre.