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Georg Stöger:
Die Migration europäischer Bergleute während der Frühen Neuzeit

Vorliegender Aufsatz versucht einen Forschungsüberblick zur Migration im mitteleuropäischen Montanwesen vom beginnenden 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zu geben. Die Ausführungen werden sich auf die Gruppe der unselbständig tätigen Bergarbeiter beschränken, während die Gewerken als Unternehmer ebenso ausgespart bleiben wie Aspekte des technologischen Transfers. Nach einer einleitenden Zusammenfassung zu bergmännischen Wanderungsbewegungen im Mittelalter werden Formen, Aspekte und Motive der Migration in der Frühen Neuzeit thematisiert, zwei Fallbeispiele organisierter Arbeitsmigrationen schließen die Darstellung ab.

Obgleich die Arbeit im frühneuzeitlichen Montanwesen wesentlich von Migration bestimmt war, wurde diesem Umstand in der einschlägigen Forschung bislang erstaunlicherweise wenig Rechnung getragen, was zu aller erst wohl auf den generellen Mangel an aussagekräftigen Quellen zur Wanderung, zu Migrationsmotiven und Herkunft der Bergleute zurückzuführen ist. Während für die Zeit des beginnenden 16. Jahrhunderts zahlreiche montanhistorische Studien vorliegen, fand die nachfolgende Periode, welche als Niedergangsphase des vormodernen Bergbaus gedeutet wurde, in der fachspezifischen Literatur weitaus weniger Betrachtung. Hier sind die Forschungslücken - vor allem in sozialgeschichtlicher Hinsicht - groß. Somit lassen sich vorerst nur partielle Einblicke in die Migrationsbewegungen frühneuzeitlicher Bergarbeiter gewinnen, die jedoch wesentliche wirtschafts-, sozial- und auch mentalitätsgeschichtliche Erkenntnisse versprechen - eine zukünftige systematische und vor allem empirische Bearbeitung der Thematik bleibt aber unumgänglich.