vorige Hefte

Rainer Slotta:
Chile und seine Salpeterindustrie
Bergbau, Aufbereitung, Export und Denkmäler

Chile verfügt über die bauwürdigsten Salpeterlagerstätten der Welt, ihr wirtschaftlicher Nutzen wird durch das Angebot an Nitraten, Sulfaten und Jod zusätzlich gefördert. Diese Salzlagerstätten liegen im Norden Chiles in einem rd. 700 km langen Streifen in der Atacama-Wüste zwischen Zapiga und Taltal in der heutigen Region II des Anden-Staates. Der Abbau von Salzen aus den Nitratschichten (dem so genannten caliche salitrero) begann bereits in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts, blühte in der Mitte und zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf und erreichte in den Jahren zwischen 1900 und dem Ende des Ersten Weltkrieges seinen Höhepunkt. Die Salpeterlagerstätten waren maßgebend beteiligt an Chiles politischem und wirtschaftlichem Aufstieg und Reichtum, bildeten sie doch die Basis für die Herstellung von Düngemitteln und Sprengstoffen. Der spätere Rückgang der Salpeterproduktion war die Folge des Auftretens und Einsatzes von synthetischen Nitratprodukten, die vor allem nach dem Haber-Bosch-Verfahren hergestellt wurden.

Ein geringer Rest des ehemaligen, bergwirtschaftlich wichtigen Salpeterabbaus ist in der Umgebung von Iquique und Antofagasta geblieben: Die derzeitigen Produktionsaktivitäten sind in der chilenischen Chemie- und Bergbaugesellschaft gebündelt, die die Lagerstätten Maria Elena und Pedro de Valdivia - etwa 200 km nordöstlich von Antofagasta gelegen - abbaut. Von dieser einst blühenden Bergbauindustrie, die die politische Geschichte, Entwicklung und Existenz des südamerikanischen Staates ganz wesentlich geprägt hat, bestehen heute noch zahlreiche, meist nur wenig aussagekräftige Denkmäler. Daneben sind aber einige wenige Bergwerksanlagen im Zusammenhang mit den sie umgebenden Siedlungen relativ gut erhalten, so dass es sich lohnt, diese Ensembles im Anschluss an die Schilderung der wesentlichen politischen, wirtschaftlichen und historischen Ereignisse vorzustellen.