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Rudolf Mirsch:
Zum Schichtgebet im Mansfelder Berg- und Hüttenwesen

Vielfältige Gefahren, denen Berg- und Hüttenleute während ihrer Tätigkeit ausgesetzt waren, die Schwere der Arbeit und die notwendige Zusammenarbeit formten Kameradschaften, wie sie in anderen Berufszweigen in solch ausgeprägter Form nur selten zu finden sind. Der noch weit in die neuere Zeit vorherrschende Glaube an Kobolde und die Dunkelheit bei unvollkommener Beleuchtung am Arbeitsort verliehen der Arbeit zudem einen besonderen Charakter. Durch andächtiges Beten und gemeinsames Singen sollte sowohl drohendes Unheil abgewehrt, als auch der Schwere des Berufes gedacht werden, was nach alten Überlieferungen so von Gott gewollt sein sollte und mit Ehrfurcht zu tragen war. Das lateinische "Ora et labora" (bete und arbeite), der Wahlspruch der Benediktinermönche, unterstützte diesen Glauben.

Spezielle Gebetbücher der Berg- und Hüttenleute enthielten in unterschiedlicher Qualität Gebete und Lieder für alle Lebenslagen. In geeigneten Räumen der Hüttenbetriebe, in Zechenhäusern oder in Betstuben der Bergreviere sammelte man sich, um nach dem gemeinsamen Gebet gestärkt zur Arbeit zu gehen oder am Ende der Arbeitszeit nach einem Dankgebet den Heimweg anzutreten. Der Aufsatz behandelt die neuzeitlichen Formen des Schichtgebetes und seine allmähliche Ablösung im Zeitalter der Industrialisierung am Beispiel des Mansfelder Kupferschieferbergbaus.