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Vera M. F. Hammer/Helene Hanzer/Peter Huber:
Der "Handstein" in der Mineralogischen Schausammlung
des Naturhistorischen Museums Wien

Das Wort "Handstein" bezeichnet ursprünglich eine besondere Erzstufe, vielleicht ein schön kristallisiertes Silbererz, das die Bergleute zum Betrachten in die Hand nehmen konnten und bisweilen als Geschenk an den Bergherrn bestimmten. Im 16. Jahrhundert sind künstlerisch bearbeitete Erzstufen damit gemeint, die, meist montiert auf einem vergoldeten Silberfuß, eine Bergwerksdarstellung zeigen und von einer religiösen Szene bekrönt werden. Eine zweite Blütezeit der Handsteinherstellung entwickelte sich sodann im 18. Jahrhundert. Die Handsteine (Bergwerksmodelle) der Barockzeit sind stets aus vielen verschiedenen Mineralien zusammengesetzt. Darstellungen von Bergbauszenen und der Bergbautechnik überwiegen, religiöse Motive finden sich nur untergeordnet. Es liegen meist Tafelaufsätze mit flachem, tablettartigem Sockel und silbernem, zuweilen vergoldetem Metallrand vor. Gefertigt wurden Handsteine meist als Ehrengabe für hoch gestellte Persönlichkeiten - etwa den Bergherrn oder den Landesfürsten - zu festlichen Anlässen.

Ein sehr bemerkenswerter Handstein aus dem Besitz der Nachkommen des Gewerken Max Ritter von Gutmann wurde im Jahre 2001 dem Naturhistorischen Museum in Wien als großzügige Schenkung überlassen. Zu diesem Handstein existiert kein direktes Vergleichsstück. Nach der im vorliegenden Aufsatz angestellten Auswertung der dargestellten Bergmannstracht und des Mineralbestandes dürfte das Objekt am ehesten aus dem sächsischen Raum, eventuell auch aus dem Böhmischen Erzgebirge stammen. Als Herstellungszeit kann die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts angenommen werden.