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Thomas Zimmermann:
Zu den frühesten Blei- und Edelmetallfunden aus Anatolien
Einige Gedanken zu Kontext und Technologie

Das frühe Wissen um die Verarbeitung gediegener Metalle ist einer der Kernaspekte prähistorischer Technikgeschichte Anatoliens. Die überwiegend kalt gehämmerten, teilweise jedoch bereits getemperten Kupferartefakte der akeramischen Stationen Çayönü, Nevali Çori und Asikli Höyük sind die nach wie vor frühesten Belege für die wissentliche Verarbeitung von Metallen in der Alten Welt.

Ein zentrales Forschungsanliegen ist die exaktere Bestimmung des Beginns der extraktiven Metallurgie, da das Schmelzen und Recyclen von Metallen in großem Umfang völlig neue Möglichkeiten für die Herstellung und den Vertrieb von Rohstoffen bzw. Fertigprodukten eröffnet. Die technischen und ökonomischen Konsequenzen - vielfältige, z. T. "exotische" Legierungstechniken sowie reiche Grab- und Hortfunde - prägen unser archäologisches Fundbild der Bronzezeit Kleinasiens im fortgeschrittenen dritten Jahrtausend v. Chr.

Der Aufsatz bietet eine erneute Zusammenstellung und Neuevaluierung bislang bekannter Blei-, Silber- oder Goldgegenstände des ausgehenden vierten und beginnenden dritten Jahrtausend v. Chr. aus Anatolien. Es wird belegt, dass Blei- und Goldvorkommen, wenn auch in bescheidenerem Umfang als etwa ein halbes Jahrtausend später, von spätchalkolithischen Siedelgemeinschaften prospektiert und zur Herstellung kleinerer Schmuckgegenstände sowie im Falle von Arslantepe als exotische Legierungsbestandteile genutzt wurden.