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Jirí Majer:
Zur Geschichte des böhmischen Uranerzbergbaus

Die Uranlagerstätten der Tschechischen Republik liegen im Böhmischen Massiv, das sich über ganz Böhmen und über den Westen von Mähren und Schlesien erstreckt. Das betreffende Massiv reicht ferner nach Polen, Deutschland und Österreich und ist zum Teil auch Bestandteil des westlichen Abschnitts des Karpatensystems. Die in Böhmen befindlichen Uranlagerstätten sind durch eine geographische Zerstreutheit und große Mannigfaltigkeit der morphologischen und genetischen Typen gekennzeichnet. Manche Lagerstätten weisen komplizierte montangeologische, hydrologische und andere Naturverhältnisse auf und sind in verschiedenen Tiefen gelagert.

Intensive Grubenarbeiten nach 1945 ermöglichten Fortschritte in der geologischen und mineralogischen Forschung. In Jáchymov wurden 800 Erzgänge oder Erzgangstrukturen mit Uranvererzung gefunden. Davon wurden 400 abgebaut. Im Revier P?íbram befanden sich 2500 Gänge und Abläufer, von denen die Mehrzahl abgebaut wurde. Man hat insgesamt 59 uranhaltige Grundmineralien festgestellt.

Der Aufsatz behandelt jeweils die Gewinnung und Verwendung der böhmischen Uranerze sowie die angewandten Bergtechniken in zwei großen zeitlichen Schwerpunkten. Während die lange erste Phase durch die Verwendung des Urans zur Farbenproduktion sowie durch die Entdeckung des Elementes Radium gekennzeichnet war, stand die massive Intensivierung des Uranerzbergbaus nach 1945 im Zeichen des globalen Wettrüstens. Um die seitens der UdSSR geforderten Produktionsleistungen zu erbringen, etablierte die CSSR zwischen 1945 und etwa 1960 ein Arbeiterrekrutierungssystem, das einen zwanghaften Charakter aufwies.