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Torsten Kösling:
Werksfürsorge und Arbeiterdisziplinierung
Die Sozialeinrichtungen der Grube Doktor Geier vor dem Ersten Weltkrieg

Die Grube Doktor Geier in Waldalgesheim verdankt ihre heutige Popularität in erster Linie dem während des Ersten Weltkrieges erbauten monumentalen Komplex der Übertageanlagen. Dessen fulminante Baugeschichte wurde teilweise unter Einbeziehung der darin assoziierten ideellen Baugedanken und industriearchitektonischen Bedeutung in den 1970/80er-Jahren von fachkundigen Autoren publiziert. Eine in sich abgeschlossene, komplette Monographie zur Geschichte der Grube Doktor Geier existiert hingegen bis heute nicht.

Aus der Betriebsentwicklung lassen sich unterschiedliche, jeweils temporär beeinflusste Wandlungsprozesse ableiten. Die betriebswirtschaftlich-rentable Situation des Bergwerks war von technischen Innovationen abhängig. Doch gleich bedeutsam waren effektive Programme zur Personalakquisition und anschließende Bemühungen zur Sicherstellung einer stabilen Personalkontinuität. Jedem angeworbenen Bergarbeiter sollte ein angemessener Rahmen betriebssozialer Leistungen im täglichen Arbeitsleben und zur persönlichen Freizeitgestaltung gewährt werden. Im Gegenzug verpflichtete sich der gleiche Bergmann per Vertrag, sein Leistungspensum zur Erreichung der Produktionsziele effizient einzusetzen, und auch zu einer gesellschaftlich akzeptablen Lebensweise.

Der Aufsatz rekonstruiert anhand spärlich vorhandener Archivquellen den Aufbau, den Betrieb und die Entwicklung eines sozialen Werksfürsorgewesens der ersten Generation auf der Grube Doktor Geier.