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Volker Wollmann:
Der Quecksilberbergbau in Siebenbürgen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts

Quecksilber ist ein relativ seltenes Element, es steht in der Elementenhäufigkeit an 62. Stelle. Quecksilber gehörte zu den im Altertum bekannten Metallen. Amalgame benutzten in einer beachtlichen Quantität auch die Römer. Nach der Entdeckung der mexikanischen Silberminen und des Amalgamierungsverfahrens stieg die Bedeutung Almadéns für die spanische Wirtschaft enorm an. Im letzten Drittel des 16. und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde der Bedarf des Weltmarktes an Quecksilber von den großen Bergwerken Almadén in Spanien, Huancavelica in Peru und Idria in Slowenien gedeckt. Die in dem Siebenbürgischen Erzgebirge gelegenen Quecksilbervorkommen, die großen Schwankungen unterworfen waren, traten vom 16. bis 17. Jahrhundert öfter in Konkurrenz zu Idria. Im 18. Jahrhundert widmete die Wiener Hofkammer den Quecksilbervorkommen Siebenbürgens eine besondere Aufmerksamkeit. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Betrieb vorübergehend fast ganz eingestellt, worauf die geringe Produktion Ungarns im Jahre 1901 zurückzuführen ist. Die 40 t Quecksilber wurden vorwiegend in Siebenbürgen erzeugt.

Im vorliegenden Aufsatz, der auf montan- und industriearchäologischen Untersuchungen sowie auf Recherchen in einschlägigen Archivbeständen fußt, wird erstmals der Versuch unternommen, die Geschichte des Quecksilberbergbaus bei Zlatna in Siebenbürgen von den frühesten Anfängen bis zur Gegenwart zusammenfassend zu behandeln. Im Unterschied zu anderen, bezüglich der Quecksilbergewinnung ebenso traditionsreichen Ländern sind hier nicht einmal die Hüttenanlagen der letzten Produktionszeit erhalten geblieben. Der Verfasser war deshalb bestrebt, diese Anlagen als einzigartige technische Denkmäler des rumänischen Bergbaus durch Aussagen von Zeitzeugen und spärliche Spuren im Betriebsgelände auch graphisch zu rekonstruieren.