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Gernot Schmidt:
Die Saline Arnshall
Der Außenseiter unter den Thüringischen Salinen

Von den auf dem Territorium des heutigen Bundeslandes Thüringen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts tätigen sieben Salinen war die Saline Arnshall bei der Stadt Arnstadt die mit Abstand kleinste, produzierte sie um die Jahrhundertwende doch nur etwa 1000 t Siedesalz im Jahr, während die anderen alle über 2000 t herstellten, die Glenck'sche Saline Stotternheim der Vereinigten Thüringischen Salinen AG bei Erfurt sogar 8000 t. Jedoch machte die Saline Arnshall im Salinenwesen Technikgeschichte, da hier im Jahre 1887 die Unterkesselpfanne erfunden und patentiert wurde. Diese Pfannenkonstruktion mit einer unteren Flammrohrpfanne ermöglichte eine bessere Wirkung der Befeuerung und eine längere Betriebszeit der Pfannen bis zur Reinigung vom Pfannenstein. Zahlreiche Salinen in Mitteleuropa übernahmen diesen Pfannentyp. Auch die 1905 gegründete und erst 1999 stillgelegte Saline Oberilm bei Stadtilm, 13,5 km südöstlich von Arnstadt gelegen, arbeitete mit diesem Pfannentyp und produzierte schon Anfang des 20. Jahrhunderts 10 000 t Salz. Dieser Konkurrenz war die Saline Arnshall nicht gewachsen, und so gab sie ihren Betrieb 1912 auf.

Die Saline Arnshall, ab 1845 zunächst von einer Aktiengesellschaft betrieben, stand schon bei ihrer Gründung unter keinem guten Stern. Technische und finanzielle Schwierigkeiten verursachten häufige Verzögerungen und zeitweise Stilllegungen. So dauerte das Abteufen der ersten Solebohrung von Juli 1845 bis Mai 1849, obwohl die Endteufe nur 260 m war. Erst Ende 1851 begann die Soleförderung. Die Bohr- und Baukosten überstiegen alle Voraussagen und der ehrgeizige Plan, auch eine Sodafabrik zu errichten, wurde aufgegeben. Der Salzgehalt der ersten Bohrung sank nach einigen Jahren so stark ab, dass der Siedebetrieb schließlich aufgegeben werden musste. Eine zweite Bohrung wurde 1863 bis 1867 bis auf eine Endteufe von angeblich 331,5 m niedergebracht. Mit dieser Bohrung wurde die Saline im Jahre 1878 von den Aktionären an die Arnstädter Maschinenfabrik M. & H. Fläschendräger verkauft.

Ein kleinstädtischer Solbadbetrieb entwickelte sich wegen fehlender Unterstützung durch die Stadt Arnstadt nicht zu einem bleibenden Heilbad, wie bei vielen anderen Salinen. Die in Archiven auch für die Saline Arnshall gut dokumentierte Verwaltungsbürokratie mit Steuervorschriften in Bezug auf den Bergbau und die Salzwirtschaft im damals über Arnstadt regierenden Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen ist ein für den heutigen Leser amüsantes Beispiel deutscher Kleinstaaterei im 19. Jahrhundert.