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Konrad Schneider:
Scheiden, Zementieren und Färben -
Rezepte eines rheinischen Wardeins aus der Zeit um 1450

Im Historischen Archiv der Stadt Köln befindet sich ein um 1450 sorgfältig geschriebenes Manuskript von 48 Blättern in niederrheinischer Mundart aus der Hand eines Wardeins, der gleichermaßen gute Kenntnisse der Metallurgie und des Münzwesens besaß und seine gesammelten Informationen niedergeschrieben hat. Wardeine waren frühe Chemiker im Bereich von Berg- und Hüttenwerken, Münzstätten und auch in amtlicher Funktion bei der Feingehaltskontrolle von Edelmetall und Edelmetallwaren im Handel. Die Berufsbezeichnung rührt vom französischen "gardien" (Aufseher) her, kam über das nordfranzösische "wardien" und das niederländische "wardijn" ins Deutsche, wo es die Begriffe Probierer, Huter und Aufzieher ersetzte. Im Bereich des Münzwesens schmolzen die Berufe des Probierers, also des Edelmetallfachmannes, und der des Verwahrers der Münzstempel zusammen und erstreckten sich auch auf die Kontrolle sowie Anfertigung von Gewichten. Wardeine besaßen gründliche metallurgische Kenntnisse, stammten oft aus dem Goldschmiedeberuf sowie aus dem Berg- und Hüttenfach und mussten auch das Scheiden von Gold-Silber-Legierungen (Güldischsilber) beherrschen.

Der ungegliedert niedergeschriebene Text besteht bei aller Durchmischung aus zwei unterschiedlichen Teilen. Zum einen handelt der namentlich nicht bekannte und vom Niederrhein stammende Verfasser Fragen des Münzwesens und dessen Metrologie der Zeit um 1450 ab und geht dabei weit über den rheinischen Raum hinaus, zum anderen überliefert er eine metallurgische Rezeptsammlung. Neben dem geldgeschichtlich-metrologischen Teil behandelt der Aufsatz vorrangig die Rezeptsammlung als Ergebnis einer vermutlich mehrjährigen Sammeltätigkeit.