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Ulrich Lauf:
Die oberschlesischen Knappschaftslazarette

Die bergmännische Bevölkerung Oberschlesiens wurde seit der Mitte des 19. Jahrhunderts durch ein ausgedehntes Lazarettsystem des Oberschlesischen Knappschaftsvereins versorgt, das in Deutschland ohne Beispiel war. Die in der heutigen sozialpolitischen Diskussion häufig beklagte Kluft zwischen dem ambulanten und dem stationären Versorgungssektor wurde dadurch überwunden, dass die Vereinssatzung mehr oder weniger verpflichtend ihren Mitgliedern vorschrieb, sich in Erkrankungsfällen in den so genannten Knappschaftslazaretten behandeln zu lassen. Bis 1914 richtete der Verein 17 allgemeine Lazarette im oberschlesischen Industriebezirk ein, in denen rd. 70 % der arbeitsunfähigen Bergleute behandelt wurden, die übrigen wurden ambulant durch angestellte Bezirksärzte (Knappschaftsärzte) betreut.
Die oberschlesischen Knappschaftslazarette sind Teil der Wirtschafts- und Sozialgeschichte Schlesiens. Soweit erkennbar sind sie noch nicht Gegenstand einer jüngeren literarischen Betrachtung gewesen. Dies liegt zweifellos auch an der dürftigen Quellenlage. Der folgende Beitrag beschreibt daher die wichtigsten Einrichtungen, wie sie sich zu Anfang des 20. Jahrhunderts zeigten. Einbezogen ist ein kurzer Abriss der Entwicklung des oberschlesischen Knappschaftswesens.