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Gerd Weisgerber:
Prähistorischer und historischer Bergbau in Afghanistan, Teil 1

Der Mineralreichtum von Afghanistan ist sowohl hinsichtlich von Metallerzen, die in der Antike und in früher mittelalterlicher Zeit genutzt wurden, als auch in Bezug auf Schmucksteine groß. Lapislazuli wurde seit 6000 Jahren gewonnen und stärker in den Westen als nach Süden (Pakistan, Indien) exportiert. Während blaue Perlen schon um 4000 v. Chr. in Ägypten erscheinen, lag deren hauptsächlicher Bedarf und Nutzung im 3. Jahrtausend v. Chr. in Mesopotamien und Syrien und erreichte mit Troja bereits die Ägäis. In dieser Periode bzw. einige Zeit später (2. Jahrtausend v. Chr.) ist die Kupferproduktion in dem heute entlegenen, afghanischen Wüstengebiet Sistan durch "Meilen von Schlacke" nachgewiesen, doch ist die Kenntnis über die Herkunft der Kupferminerale noch unbekannt.
Gold und Zinn treten an vielen Stellen auf, allerdings kann ihre Ausbeutung nicht datiert werden. Mehr Informationen liegen für die frühe mittelalterliche Silberproduktion durch Berichte vieler islamischer Reisender und Kosmographen vor. Yakut verdanken wir die beste Beschreibung des Metallerzbergbaus der gesamten mittelalterlichen Periode, sowohl in Europa, als auch in Asien. Auch Aspekte der ersten islamischen Regelungen des Bergrechts werden nachvollziehbar. Berichte über die berühmten Rubine Afghanistans finden sich vorrangig in Gedichten und Legenden, und diese Rubine sind bis heute in verschiedenen Kronjuwelen von Europa bis Asien weiterhin präsent. Der folgende Artikel bietet erstmals aufgrund langjähriger und umfangreicher Forschungsarbeiten einen umfassenden Überblick über den prähistorischen und historischen Bergbau in Afghanistan.