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Ignacio Montero-Ruiz/María Jesús Rodríguez de la Esperanza:
Der prähistorische Kupferbergbau in Spanien
Ein Überblick über den Forschungsstand

Die iberische Halbinsel birgt seit Urzeiten reiche Erzvorkommen, darunter auch Kupfer. Die Ausbeutung dieser Bodenschätze war für die klassische Welt von großer ökonomischer Bedeutung und Hauptgrund für die Präsenz der Phönizier, Punier und Römer während des gesamten ersten Jahrtausends vor Christus. Viele Mineralablagerung und Erzvorkommen sind als Resultat eines komplexen geologischen und orogenetischen Ablaufs entstanden, von denen einige bis in unsere heutige Zeit abgebaut werden. Viele andere, kleinere Lagerstätten, die leicht zugänglich und erkennbar waren, wurden vom prähistorischen Menschen ausgebeutet. Diese Verfügbarkeit von Rohmaterial ist einer der Gründe für die frühe Entwicklung der Metallurgie beginnend mit der Jungsteinzeit. Trotzdem bewegte sich die Metallverarbeitung und damit auch der Abbau während der Bronzezeit in einem relativ kleinen Rahmen. Bergbau und Metallurgie traten in den frühen Gesellschaften komplementär neben Landwirtschaft und Viehhaltung auf. Erst später wurden sie zu vollwertigen Arbeitsbereichen, wahrscheinlich beginnend mit der Spätbronzezeit.
Die Erforschung der prähistorischen Rohstoffgewinnung in Spanien ist nur in einem beschränkten Ausmaß durchgeführt worden. Von Ausnahmen abgesehen, wie z. B. das Huelva Archäometallurgieprojekt oder Domergues Zusammenstellung des vorrömischen Abbaues, existieren nur Informationsfragmente. Ein solides Fundament in Form von Felduntersuchungen, die Einzelheiten zu Funden dokumentieren, liegt nicht vor. Viele der vorhandenen Informationen stammen aus alten technischen und geologischen Berichten, insbesondere deswegen, weil der Bergbau ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in der spanischen Wirtschaft ein rapides Wachstum erfuhr.

Trotz der großen Fortschritte in der Erforschung des prähistorischen Kupferabbaues in Westeuropa konnten während der beiden letzten Jahrzehnte keine signifikanten Erkenntnisse erzielt werden. Mit Ausnahme von Loma de La Tejería (s. u.) wurden in Spanien keine Ausgrabungen vorgenommen. Einige Survey-Untersuchungen, die in Bergwerksbereichen durchgeführt wurden, haben zur Dokumentation von neuen, beim Abbau eingesetzten Steinhämmern geführt. Basierend auf Elementkompositionen und bis zu einem bestimmten Punkt auch auf Blei-Isotopie konnten zudem Fortschritte anhand geochemischer Charakterisierungen erzielt werden. Im Folgenden wird der aktuelle Wissensstand dokumentiert.