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Sigrid Schneider:
Einblicke in eine unbekannte Welt -
Fotografien von Arthur Oskar Bach, Albert Schotsch und Bazil Roman

Das Siebenbürgen der Zwischenkriegszeit, also der 1920er und 1930er Jahre, ist ein "ungleichzeitiger" Ort: in weiten Teilen agrarisches Entwicklungsland mit landwirtschaftlicher Übervölkerung und rudimentärer Infrastruktur - und zugleich hoch entwickelter Industriestandort mit Zügen einer modernen Volkswirtschaft und reicher, differenzierter Kultur, die auf den Einflüssen der wechselnden Herrschaft Österreichs, Ungarns und Rumäniens und der ethnischen Vielfalt der Bewohner beruhte.

Öffentliche Bibliotheken, Museen, Theater und Kulturhäuser waren in den Städten ebenso selbstverständlich wie ein gut funktionierendes Schulsystem mit den Möglichkeiten höherer Ausbildung; außerdem Kirchen, die durch Gelehrte mit humanistischer Gesinnung eine wichtige Rolle für Kultur, Bildung und Politik spielten. Die Volkskirchen fungierten als zentrale Vermittler und Bewahrer ethnischer Identität bei den Angehörigen von Minderheiten. Im Bildungswesen hatten Beziehungen zu Österreich, Deutschland und der Schweiz Tradition.

Vor diesem Hintergrund des Bildungsstands, der kulturellen Aufgeschlossenheit und des Technikinteresses bürgerlicher Schichten in Siebenbürgen erklärt sich der innovative Umgang mit einer Erfindung wie der Fotografie.