vorige Hefte

Ralf Bierod:
Die Versuchs- und Musteranstalt Bergwerk Riedel
Im Spiegel eines Fotoalbums der Wehrmacht

Die 1936 eingerichtete Heeresmunitionsanstalt Bergwerk Riedel in Hänigsen bei Hannover, eine Versuchs- und Musteranstalt, wurde zum Vorbild, nach dem die Wehrmacht vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 25 beschlagnahmte Kalibergwerke im Reichsgebiet zu Munitionslagern ausbaute. 10,4 Mio. Reichsmark hatte die Heeresbauverwaltung Hildesheim im Auftrag des Oberkommandos des Heeres bis 1939 im Bergwerk Riedel verbaut. Nach eineinhalb Jahren dauernden Sprengversuchen, bei denen jede denkbare Form von Unfällen durchgespielt wurde, stand nicht nur ein gigantisches Ringsystem aus 89 Munitionskammern, das sich auf der 650-m-Sohle auf 1,2 km2 Fläche ausdehnte. Der Architekt der Heeresbauverwaltung mit dem beziehungsreichen Familiennamen Castell hatte sich daran gemacht, die gesamte Werksanlage aus dem Jahr 1908 mit Rücksicht auf die alte Bausubstanz neu zu gestalten.
Die Heeresbauverwaltung Hildesheim war so stolz auf ihre neue Anlage, dass sie kurz vor Inbetriebnahme der Munitionsfertigung am 1. Juni 1938 ein Fotoalbum mit 158 Bildern anlegte. Dieses einmalige Dokument ist heute im Besitz des Dorfmuseums des Heimatbundes von Hänigsen.

Die Geschichte der Heeresmunitionsanstalten mit Bergwerk ist bis heute ein kaum behandeltes Thema. Weil die Betriebe vom Heer beschlagnahmt worden waren, fühlten sich später die Bergbaugesellschaften für diesen Teil der Geschichte nicht zuständig. Dabei mussten die Kali-Konzerne schon lange vor dem Krieg Handlangerdienste für die Wehrmacht beim Ausbau der Depots leisten. Während des Muna-Betriebs war auch ständig die Anwesenheit von Bergleuten erforderlich. Bergämter und Oberbergämter blieben weiterhin die zuständigen Aufsichtsbehörden.