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Ulrich Lauf:
St. Johannis und das älteste Hospital für Bergleute –
Neue Hypothesen zum Ursprung der Knappschaft

Professor Gerhard Dapprich, ehemaliger Bergrechtslehrer und Senatspräsident beim Bundessozialgericht, hat vor 23 Jahren mit einer schlüssig wirkenden Begründung die nördlichen Mauerreste der Johanniskirche vor Goslar als Hospital für Bergleute identifiziert. Seine zeitliche Einordnung des ursprünglichen Gebäudes in die 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts und der Erweiterungen in die Zeit um 1200 weist das Hospital als älteste Sozialeinrichtung des Bergbaus und Vorläufer knappschaftlicher Sozialleistungssysteme aus. Neuere Forschungen zur Frühgeschichte Goslars und des Rammelsberges sowie eine kritische Überprüfung der Thesen Dapprichs stellen aber seine Ergebnisse in Frage.
Der Aufsatz wirft zunächst einen kurzen Blick auf die Geschichte der Stadt und ihres Bergbaus, weil die Errichtung des mutmaßlichen mittelalterlichen Hospitals für Bergleute in einem engen Kontext zur kommunalen und montanwirtschaftlichen Entwicklung Goslars steht. Anschließend erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit der Beweisführung Dapprichs, die zu der Schlussfolgerung führt, dass es kein „älteres“ Hospital für Bergleute gegeben hat, das angeblich in der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts an der Nordseite der Kirche St. Johannis vor Goslar angebaut worden sein soll. Hingegen ist der Bau des vermuteten Hospitals an der Johanniskirche erst kurz vor 1260 begonnen und nach 1260 vollendet worden.