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Florian Téreygeol:
Frühmittelalterlicher Bergbau und Silberproduktion von Melle in Frankreich

Die Bergwerke von Melle (Poitou-Charentes) stellen die am besten erhaltenen Silbergruben aus karolingischer Zeit dar. Sie fanden in einer Karstlagerstätte statt. Das reiche Bleiglanzvorkommen mit durchschnittlich 2 Promille Silber hat nur diese einzige Periode der Gewinnung erlebt, was die gute Erhaltung erklärt. Hauptvortriebsmethode war das Feuersetzen. Der Abbau dauerte vom Anfang des 7. bis zum Ende des 10. Jahrhunderts. Alle Phasen der Produktion vom Bergbau bis zur Kupellation über untertägige Erzanreicherung und übertägige Aufbereitung – vom Pochen zum Schlämmen über Verhüttung und Raffination – konnten als Schritte der Produktion montanarchäologisch nachgewiesen werden. Begleitende naturwissenschaftliche Untersuchungen galten den in der Karolingerzeit entstandenen und bis heute wirkenden Umweltbelastungen sowie der Vegetationsrekonstruktion anhand der reichlich angefallenen Überreste an Holzkohle. Zusätzlich wurde versucht, alle archäologischen Befunde und Rekonstruktionen durch Experimentellen Nachvollzug zu überprüfen.