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Fritz Mangartz/Olaf Pung:
Die Holzkeilspaltung im alten Steinabbau

Wenn sich nur eine „Tatsache“ alter Steingewinnungstechnik in den Köpfen des Publikums festgesetzt hat, dann ist es die des Einsatzes von Holzkeilen, welche, mit Wasser zum Quellen gebracht, die Spaltung besorgten. In der Fachwelt allerdings ist dieses Thema bis heute höchst umstritten. Die bisherige Forschung zur Spaltung von Stein mit quellenden Holzkeilen – so genannte „Quellkeile“ – konzentrierte sich auf zwei Fragen: Reicht der Druck von quellendem Holz aus, um Stein zu spalten und wurde das Verfahren in antiken Steinbrüchen tatsächlich angewandt? Die Wirksamkeit dieser Methode war bis in die 1960er Jahre allgemein anerkannt. Sowohl in der technischen als auch in der historischen Literatur wird die Quellkeilspaltung nicht als Kuriosum, sondern als Selbstverständlichkeit beschrieben.
Der Aufsatz analysiert zunächst die zum Thema differierenden Forschungsthesen und liefert anschließend eine präzise Auseinandersetzung mit den physikalischen und technischen Grundlagen des Verfahrens. Auf dieser Grundlage sammelt er die archäologischen, historischen und volkskundlichen Quellenbelege zu den zahlreichen Verfahren der Holzkeilspaltung. Als Ergebnis gilt den Autoren die Feststellung, dass der Druck von quellendem Holz ausreicht, um Stein zu spalten, und dass dieses Verfahren tatsächlich bereits in antiken Steinbrüchen angewandt worden ist.