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Stefan Przigoda:
Die Technische Gemeinschaftsarbeit im Ruhrbergbau bis 1933
Der Bergbau-Verein als technisch-wissenschaftlicher Unternehmensverband

Unternehmensverbände werden oft vornehmlich als Machtinstrumente zur internen Formulierung und externen Durchsetzung der Partikularinteressen ihrer Klientel wahrgenommen. Jedoch waren und sind sie mehr als das, was nicht zuletzt jüngere Theorieansätze betonen. So sind Verbände aus Sicht des Korporatismusansatzes in einem umfassenderen Sinne als Steuerungsinstrumente und Mittler zwischen Staat, Gesellschaft und Wirtschaft in einem wechselseitigen und hochgradig institutionalisierten Prozess des Interessenausgleichs zu sehen. Hierbei kommen ihnen auch binnenregulierende Funktionen zu, z. B. bei der kollektiven Regelung der Arbeitsbedingungen durch die Tarifparteien. Im Kontext der zurzeit viel diskutierten „Neuen Institutionenökonomie“ bzw. der in diesem Konzept zentralen Transaktionskostentheorie rücken die Verbände als Träger unternehmerischer Funktionen in den Vordergrund.
In diesen theoretischen Kontexten lassen sich auch die technikbezogenen Funktionen des Vereins für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund - vielen wohl besser unter der Kurzbezeichnung Bergbau-Verein bekannt - interpretieren. Nach seiner Gründung 1858 standen lange Zeit andere Themen im Mittelpunkt der Verbandsaktivitäten. Seit Mitte der 1880er Jahre wandte er sich dann aber zusehends auch bergtechnischen und -wissenschaftlichen Fragen zu und weitete diesen Tätigkeitsbereich nach der Jahrhundertwende rasch aus. Im Ersten Weltkrieg und in den Nachkriegsjahren standen dann andere Probleme im Vordergrund, bevor schließlich in den 1920er Jahren der Auf- und Ausbau eines weit verzweigten Organisationsnetzes vorangetrieben wurde und der Bergbau-Verein zum Zentrum bergtechnischer und -wirtschaftlicher Innovationsbemühungen im Ruhrbergbau wurde.