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Michael Farrenkopf:
Massenunfälle im niederschlesischen Steinkohlenbergbau bis 1945

Grubenunfälle und -unglücke bilden die Schattenseite der Entwicklung des bergbaulichen Produktionsprozesses und gelten doch als integraler Bestandteil der Montangeschichte. Ausgehend von theoretischen Erklärungsmustern zur historischen Erforschung von Grubenunglücken analysiert der Aufsatz zunächst den Stand historischer Unfallforschung im Bergbau. Will man Grubenunglücke als Forschungsfeld innerhalb der Montangeschichte verstehen, so muss man sich zwangsläufig aus den älteren Deutungsmustern lösen, die bergbauliche Massenunfälle fast ausschließlich im Sinne natürlich bedingter, schicksalsmäßiger Fügung betrachteten.
In einem zweiten Schritt wird das Unglücksgeschehen im niederschlesischen Steinkohlenbergbau anhand statistischer Kennzeichen bis zum Jahr 1945 untersucht. Dabei geht es darum, für den Steinkohlenbergbau charakteristische Unfallverläufe und Auslöser bezüglich der betroffenen Gruben und zeitlicher Etappen zu kennzeichnen. Soweit vorhanden, werden die Daten in Relation zum Unglücksaufkommen im gesamten preußischen Steinkohlenbergbau bewertet.

Im dritten Teil werden schließlich zwei für Niederschlesien besonders deutlich hervortretende Unglücksphänomene detaillierter untersucht. Es handelt sich dabei zum einen um Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosionen, deren naturgesetzliche Voraussetzungen ein besonderes Katastrophenpotential heraufbeschworen. Zum anderen geht es um die gerade für die Rubengrube in Neurode wichtigen Ausbrüche von Kohlendioxid.