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Karl-Heinz Ludwig:
Über Rechtsquellen in der Montangeschichte und einen Bergfreiheitsbrief des Grafen Johann von Görz, 1454

Der Artikel behandelt zunächst den aktuellen Stand der methodisch-theoretischen Fundierung der Montangeschichte als Teil der Geschichtswissenschaft an sich. Montangeschichtliche Segmentierungen, die sich in der Technik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte herausgebildet haben, seien in Form einer Integrationswissenschaft noch deutlicher zusammenzuführen. Systematische Eingrenzungen haben dabei eine besondere Dringlichkeit, da an den Rändern der Montangeschichte ein Interessenkonglomerat allgemeiner historischer Montanforschung erscheint, zu dem etwa die Montangeologie, die Archäometallurgie als Schlackenkunde sowie die Archäometrie zählen. Alle diese postmodernen, durch Theoriedekonstruktion gekennzeichneten Forschungsrichtungen treten unter den Aspekten „demokratisierter“ Wissenschaftssystematik selbstbewusst-selbständig auf, ohne ihrerseits hilfswissenschaftliche Aufgaben zu akzeptieren. Demgegenüber müsste ein heuristisches Modell der Forschungsstrategie der Geschichtswissenschaft Leitfunktionen zugestehen.
Innerhalb der grundsätzlichen Forderungen an eine Montangeschichtsschreibung wird die hohe Bedeutung bergrechtlicher Quelleneditionen hinsichtlich ihrer Erkenntnischancen und aktuellen Defizite behandelt. Dabei wird ein Gliederungsmodell der Quellengattungen historischer Bergnormgebung vorgestellt, die sich zunächst in Bergfreiheitsbriefe, Bergordnungen und Erfindungen unterteilt. Als Erläuterung der Problematik, die mit der Edition derartiger Quellen zusammenhängt, dient die spezielle Untersuchung des Bergfreiheitsbriefs des Grafen von Johann von Görz von 1454.