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Norman Fuchsloch:
"Der Poët versteht die Natur besser, wie der wissenschaftliche Kopf" -
Bemerkungen zu Novails‘ Projekt der Romantisierung der Naturwissenschaften

Novalis setzte sich zum Ziel, die Wissenschaften, vor allem die Naturwissenschaften zu romantisieren. Dieses Ziel strebte er durch sein literarisches Schaffen und ein Enzyklopädieprojekt an. Sein früher Tod setzte diesem Plan ein vorzeitiges Ziel. Der weit überwiegende Teil seiner Schriften ist inzwischen in einer Historisch-Kritischen Ausgabe publiziert. Die folgenden Bemerkungen versuchen, durch eine textnahe Argumentation Novalis' Überlegungen transparent zu machen. Hinsichtlich des Allgemeinen Brouillon betonte Mähl, es handele sich dabei nicht um eine Fragmentsammlung, sondern um eine Ansammlung von Notizen für die spätere Ausarbeitung der Gedanken. Der Unterschied zwischen beidem besteht darin, dass Erstere künstlerisch zur Veröffentlichung überarbeitet sind. Wenn es jedoch Friedrich Schlegel, Ludwig Tieck und Eduard von Bülow möglich war und opportun erschien, ungefähr 300 Einträge oder zumindest Teile daraus in ihren eigenen Fragmentsammlungen zu verwenden, so scheint die Trennung nicht so scharf zu sein. Veröffentlichte und unveröffentlichte Texte sind daher in einer Weise zusammenzuführen, die ihre gegenseitige Beziehung verdeutlicht und Rückschlüsse auf die Intentionen des Urhebers erlaubt.
Zunächst werden die Hintergründe des ehrgeizigen Projekts der Romantisierung der Naturwissenschaften unter den Leitgedanken Romantisierung und Poëtisierung, der Encyclopädie und der Schaffung einer Universalwissenschaft betrachtet. Unter Bezugnahme auf die persönliche Eignung und Novalis‘ Erwerb naturwissenschaftlicher Kenntnisse in Freiberg wird dessen Denken zur Naturwissenschaft und Technik untersucht und schließlich dessen Umsetzung in die literarische Form analysiert.