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Hans-Henning Walter:
Novalis und das Salinen- und Hüttenwesen

Das Heimatland Friedrich von Hardenbergs, das Kurfürstentum Sachsen, gehörte seit Jahrhunderten zu den wichtigsten Bergbauzentren der Erde. Aus den in sächsischen Gruben geförderten Rohstoffen erzeugten zahlreiche Hütten, Salinen und „Bergfabriken“ nicht nur Silber, Zinn und Blei, sondern auch Gold, Kupfer, Wismut, Zink und Quecksilber sowie Arsenpräparate, Schwefel, Vitriole, Alaun, Schwefelsäure, Kochsalz und keramische Kobaltfarben. Alle diese Herstellungsverfahren wurden an der Bergakademie Freiberg in der Lehre vertreten, wissenschaftlich erforscht und nicht selten zu führenden Technologien weiterentwickelt. Aus dieser Wechselwirkung von Theorie und Praxis, die an den anderen Hohen Schulen der damaligen Zeit unbekannt war, bezog Novalis zahlreiche Anregungen für sein Gedankengebäude, seine „Philosophie des täglichen Lebens“, worin er alle Wissenschaften und Künste vereinigen wollte.
Einige Berührungspunkte zwischen der Theorie und Praxis des sächsischen Montanwesens und dem Gedankengebäude Friedrich von Hardenbergs werden im folgenden Beitrag zur Diskussion gestellt. Ausgehend von Novalis‘ familiären Beziehungen zum Salinenwesen werden vor allem seine Ausbildung im Bereich der Chemie durch Wilhelm August Lampadius sowie in der Bergbaukunst und Mineralogie durch Abraham Gottlob Werner verfolgt. Ferner widmet sich der Aufsatz dem zeitgenössischen Hüttenwesen sowie Novalis‘ Beiträgen zur Umsetzung anwendungsbereiten Wissens auf dem zeitgenössischen Stand der Wissenschaft.