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Franz Schüppen:
"Jetzt ist bey mir bürgerliche Baukunst." -
Novalis als romantischer Dichter des Bergbaus

Der Dichter Novalis hat in der Geschichte des Denkens und Dichtens seine Spuren hinterlassen. Seine Entwicklung romantischer Gedanken - im Anschluss z. T. an die Philosophie des damals in Jena lehrenden Johann Gottlieb Fichte, an Immanuel Kant und den Holländer Frans Hemsterhuis - wirkte nachhaltig auf seine Zeitgenossen und auf die spätere Epoche der Neuromantik am Ende des 19. Jahrhunderts ein. Er war schließlich eine hochangesehene Gestalt der deutschen Literaturgeschichte, der gehaltvolle Studien gewidmet wurden.
Die vielfach in Form von kleinen spruchartigen Überlegungen, aphoristischen Splittern und Fragmenten veröffentlichten tiefsinnigen Gedanken von Novalis, wie sie bei den deutschen Frühromantikern beliebt waren, sind in der ganzen Welt aufgenommen und weiterentwickelt worden. Auf der Grundlage der neu edierten Bände der Historisch-Kritischen Ausgabe untersucht der Artikel den Bergbaubezug von Novails‘ Romanprojekten und ordnet diesen vor dem Hintergrund von romantischer Geisteshaltung und industriellem Aufbruch in Sachsen ein. Mit Bezug auf die technischen Schriften des Dichters plädiert der Autor für eine neue Sichtweise zu Novalis und dessen Vorahnung gesellschaftlicher Umbrüche im industriellen Zeitalter des 19. Jahrhunderts.