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Sabine Schetelich:
Novalis in Freiberg -
Prägung des Dichters und Rezeption seines Werkes

Dem 200. Todestag des Dichters Novalis galt in diesem Jahr große Aufmerksamkeit. In seinem kurzen Leben verbanden sich Beruf und Berufung auf einzigartige Weise. Als Student der Ende des 18. Jahrhunderts noch jungen, aber schon weltberühmten Akademie für Bergbau in Freiberg empfand er diese Stadt in Verbindung mit dem Erzbergbau als ganz besonderen Ort. So bieten sich von Freiberg aus Anlass und Gelegenheit genug für Überlegungen zum Leben und Wirken des Dichters aus unterschiedlichen Fachgebieten: Kultur- und Literaturgeschichte einerseits und Geschichte der Naturwissenschaften andererseits. Diese Betrachtungsweise liegt ganz im Sinne von Novalis, Erfahrung und Erkenntnis in Poesie zu übersetzen bzw. in der Poesie Entdeckungen zu machen, die den Sinn des Daseins von Mensch und Natur erschließen. Die in Freiberg und unter den Freiberger Erfahrungen mit Bergbau entstandenen Werke, der Briefwechsel von Freiberg aus an Freunde und Bekannte sowie Erinnerungen von Zeitgenossen, die sich seinerzeit in Freiberg aufhielten, geben den folgenden Überlegungen den kulturhistorischen Hintergrund dafür.
Der Aufsatz geht zunächst dem kulturellen Umfeld während Novalis‘ Studienzeit an der Bergakademie Freiberg nach und analysiert im Folgenden dessen Prägung auf Novalis‘ literarisches Schaffen. Es folgt ein Überblick zur Rezeption und zum Umgang mit der Person von Novalis in der ehemaligen DDR und zum gesteigerten, interdisziplinär-wissenschaftlichen Interesse seit Beginn der 1990er Jahre. Am Beispiel des Werkes von Franz Fühmann wird schließlich die Frage nach der Auseinandersetzung mit dem romantischen Phänomen des Bergwerks in der zeitgenössischen Literatur untersucht.