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Johann F. Schatteiner/Thomas Stöllner:
"Männer im Salz - Verunglückte Knappen"
Grubenunglücke und Arbeitsunfälle im Dürrnberger Salzbergbau

In der 15 km südlich von Salzburg gelegenen alten Salinenstadt Hallein wurde bereits in prähistorischer Zeit durch die Kelten Salzbergbau betrieben. Die seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. erfolgte Gewinnung des Steinsalzes im untertägigen Trockenbau führte zu Grubenbauen mit Seigerteufen von bis zu 220 m, deren Erforschung heute mit zu den Aufgabenschwerpunkten des Fachbereichs Montanarchäologie beim Deutschen Bergbau-Museum in Bochum zählt. Nach dem Niedergang der spätkeltischen Oppidazivilisation und einem etwa 1000 Jahre währenden Abbaustillstand wurde die Salzgewinnung im 12. Jahrhundert wieder aufgenommen. Bis in jüngste Zeit gewann man das Salz nun in der von Mönchen entwickelten Technik des "Laugverfahrens" in Schöpfwerken mit Wasser. Als dann 1860 die Großsaline auf der Pernerinsel in Hallein mit vorerst einer Pfanne in Betrieb genommen worden war, standen einige Jahre später vier Pfannen zur Salzproduktion zur Verfügung. Die 1955 neu errichtete Thermokompressionsanlage erlaubte eine jährliche Produktion von 71 000 t Industriesalz, deren Absatz während der 80er Jahre jedoch immer schwieriger wurde und am 31. Juli 1989 schließlich die Liquidation des Salzbergbaus am Dürrnberg nach sich zog.
Den exponierten Arbeitsplätzen unter Tage geschuldet, kam es auch in der Geschichte des Dürrnberger Salzbergbaus immer wieder zu Arbeitsunfällen. Im Zusammenhang mit erschwerten äußeren Bedingungen äußerten sie sich zum Teil als katastrophale Grubenunglücke mit zahlreichen Toten. Im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert förderte der Bergbau im Salz konservierte, bereits zu keltischer Zeit verstorbene prähistorische Bergleute zu Tage. Die Umstände ihres Todes werden anhand zeitgenössischer Quellentexte und neuer montanarchäologischer Forschungsergebnisse diskutiert. Teilweise erhaltene Totentafeln und schriftlicher Quellen liegen dann der Analyse von Verunglückungen Dürrnberger Bergleute aus der Zeit vom 15. bis ins 20. Jahrhundert zugrunde.