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Rainer Slotta:
Malakofftürme.
Schachttürme des Bergbaus und
ihre Beziehungen zur Festungsarchitektur

Als im Steinkohlenbergbau um 1850 die leicht zu fördernden oberflächennahen Vorkommen weit gehend abgebaut waren, mussten die Bergwerke verstärkt zum Tiefbau übergehen. Eine ökonomische Förderung großer Mengen aus zunehmenden Teufen setzte Schächte mit großem Durchmesser und den Einsatz von Fördermaschinen mit hoher Leistung voraus. Die über den Schächten errichteten Fördertürme hatten nun gewaltigen Seilscheibenlasten standzuhalten, denen die bisher bekannten Holzkonstruktionen nicht gewachsen waren. Da Gusseisen, das sich seit Beginn des 19. Jahrhunderts im Hoch- und Brückenbau etabliert hatte, für die auftretenden Lastwechsel zu spröde war, kam es zur Ausbildung von gemauerten Schachttürmen. Im Verlauf der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Gestaltung dieser "Malakofftürme" aus technischen und repräsentativen Gründen zur anspruchsvollen Bauaufgabe.
Der Artikel widmet sich zunächst der Bestandsaufnahme von Malakofftürmen und analysiert anhand der im Ruhrrevier erhaltenen Beispiele fünf unterschiedliche Bautypen. Anschließend wird gezeigt, dass Malakofftürme zwischen 1850 und 1875 in verschiedenen Bergbauzweigen in ganz Mitteleuropa ausgeführt worden sind. Im zweiten Teil kennzeichnet er die während des Krimkrieges von 1853 bis 1856 bedeutsame Festungsarchitektur von Sewastopol und klärt die Umstände, die zur Übertragung des Namens "Malakoff" auf die Schachttürme des Bergbaus geführt haben.