vorige Hefte

Peter Fischer:
Bergbeschau am Falkenstein bei Schwaz im Jahre 1526

"Er hat in seinem kunigreich, neben anndern grossen perckwerchen allain ain perckwerch in Tirol zu sbaz gehabt, das Ime Jedes Jars, fron und wexl tragen hat, anderthalb hundert tausendt gulding", heißt es über die Rolle, die Schwaz in Tirol für Kaiser Maximilian I. gespielt hat. Tatsächlich war sich der "Weiß Kunig" der besonderen fiskalischen Bedeutung dieses Bergsegens immer bewusst. Ausdrücklich würdigte er in seiner im frühen 16. Jahrhundert entstandenen autobiographischen Schilderung das Bergrevier von Schwaz, das zu dieser Zeit ein Montanzentrum von internationalem Rang war.
Aufgrund der Quellenlage hat sich die Montangeschichtsforschung seit langem mit den wirtschaftlichen Aspekten des Schwazer Bergbaus - vor allem der unternehmerischen Seite bergbaulichen Engagements - auseinander gesetzt. Die sozialen Verhältnisse sind dagegen weitgehend vernachlässigt worden, nicht zuletzt weil in den Quellen namentlich die Arbeiterschaft noch weniger in Erscheinung tritt als die Gewerken. Lohnlisten wurden nicht geführt, und Verzeichnisse über vergebene Lehenschaften liegen nicht vor. Dennoch besteht eine bislang weitgehend ungenutzte Möglichkeit, wichtige, über die bloße Nennung der Zahl der Beschäftigten hinausgehende Angaben zu den Arbeitsverhältnissen zu machen, insbesondere zur inneren Struktur der Gesamtarbeiterschaft.

Im Tiroler Landesarchiv in Innsbruck befindet sich der Codex 3658, der bislang nur wenig beachtet, geschweige denn systematisch ausgewertet wurde. Die in einem Pergamenteinband (30,2 cm x 21,1 cm) gefasste Handschrift trägt die Aufschrift "1526 Perckbeschaw zu Schwatz" und enthält 180 gebundene, unpaginierte und drei lose Doppelblätter (= Beilagen 1, 2, 3) aus Papier. Der Originaltitel auf fol. 1r "Beschaw des Perckwerchs zu Swatz am Valkenstain Anno Domini 1526" verweist noch genauer auf den Inhalt: Protokolliert sind die Ergebnisse einer "Bergbeschau", gewissermaßen einer Generalinventur des Bergbaubetriebes am Falkenstein bei Schwaz, die im Jahre 1526 stattfand. Erstaunlicherweise haben die bisherigen Untersuchungen zur Schwazer Bergbaugeschichte diese Quelle nicht oder nur am Rande genutzt. Nach Tätigkeitsbereichen differenzierte Angaben über die Zahl der im Falkensteiner Bergbau Beschäftigten wurden selten und zudem falsch berechnet.