MEISTERWERKE BERGBAULICHER KUNST UND KULTUR


Nr. 96Daniel-Fresko im sog. Thurzo-Haus von Banská Bystrica
Daniel-Fresko im sog. Thurzo-Haus von Banská Bystrica (Neusohl/Slowakische Republik), spätes 15. Jahrhundert Banská Bystrica/Neusohl (heute Mittelslowakisches Museum/Stredoslovenské Múzeum)

Ein besonderer, bislang nur wenig beachteter bergmännischer Freskenzyklus befindet sich im sog. Thurzo-Haus im slowakischen Banská Bystrica (Neusohl) als dem Zentrum der niederungarischen Metallproduktion und einem Mittelpunkt des europäischen Kupferhandels im 15. und 16. Jahrhundert. 1495 kaufte der Montangewerke Johann Thurzo von Bethlemfalva (1437 - 1508) zwei Bürgerhäuser am Neusohler Markt vom Stadtrichter Hans Lang zu Rosenau (Rosnava) und ließ sie unter großem Aufwand als sein Wohnhaus und für Repräsentationszwecke seiner bergwirtschaftlich bedeutsamen Fugger-Thurzo-Bergwerks- und Hüttengesellschaft umgestalten. Im Zuge von Umbaumaßnamen des späten 16. Jahrhunderts, die von einem Meister Oswald geleitet wurden, stockte ein neuer Eigentümer das Ensemble auf; dabei erhielt der Gebäudekomplex seine reiche innere und äußere Renaissancegestalt mit seinem unverwechselbaren Sgrafittoschmuck an der Außenfassade, die 1953 bzw. 1968/69 restauriert und umgearbeitet worden ist. Früher wie heute gehört das Thurzo-Haus zu den beeindruckendsten Häusern am großen Markt der mittelslowakischen Hauptstadt; heute ist das Thurzo-Haus Sitz des Mittelslowakischen Museums.
Die Wandmalereien im sog. Grünen Saal im Erdgeschoss des Thurzo-Hauses gehören noch zu den Bau- und Gestaltungsmaßnahmen des späten 15. Jahrhunderts. Die dekorativen Fresken des mit einem Tonnengewölbe ausgestatteten weiten Raumes bestehen aus figuralen Szenen und floralen, vegetabilischen Motiven, die Gesamt-Komposition ist in verschiedene Zonen untergegliedert. Die Sockel- und Wandzone des Raumes zeigt illusionistisch verzweigte Pflanzen, darüber befinden sich weltliche und biblische Darstellungen inmitten rahmender pflanzlicher Elemente und im Gewölbezentrum befindet sich das Königswappen der Familien Anjou und Corvin. Die bildlichen Darstellungen zeigen zum einen „hübsche“ und „unterhaltsame“ Themen wie den Tanz eines Bären und Motive aus den Äsopschen Gleichnissen (z. B. die Fabel vom Fuchs und dem Storch oder vom Kampf des Esels mit dem Widder). Zum anderen betreffen sie biblische Themen wie das Jüngste Gericht, Christus auf dem Ölberg, Christus mit der Samariterin am Brunnen und Susanna im Bade, weiterhin Heiligendarstellungen wie St. Eustachius auf der Hirschjagd, St. Georg mit dem Drachen und die Heilige Barbara mit dem Turm und schließlich auch die Sage von der Erzauffindung durch den Bergverständigen Daniel Knappius. Auf diese für die Montangeschichte so bedeutsame Legende in Verbindung mit diesem Fresko soll im Folgendenfolgenden näher eingegangen werden.

Die Darstellung im Grünen Saal zeigt eine gebirgige, durchaus an das slowakische Erzgebirge erinnernde Felsenlandschaft, in deren Mitte als zentrales Motiv ein hoch aufschießender Baum dargestellt ist. Dieser Baum verfügt nur über wenig grünes Laubwerk, wichtiger sind zwei kräftige Äste in der Krone, auf denen ein Mann und ein Engel „herumklettern“. Der links dargestellte, mit einem rotbraunen Mantel und einem weißen Untergewand bekleidete Mann hält sich am Stamm fest und wendet sich gleichsam fragend einem schwebend wiedergegebenen Engel mit weitausladenden Flügeln und einem blauen bzw. weißen, vielfach gefalteten und abflatternden Gewand zu. Am Fuße des Baumes, dessen Wurzelwerk im grünen Gras andeutungsweise wiedergegeben ist, findet man den Mann aus dem Geäst ein zweites Mal wieder: Er ist in Seitenansicht dargestellt, steht im Ausfallschritt, arbeitet mit Schlägel und Eisen und ist durch sein Gezähe und seine Kleidung als Bergmann identifizierbar. In der erhobenen Rechten hält er den Schlägel, in der Linken das Eisen, als Kleidung trägt er einen hellen, hochkrempigen Hut, ein helles Hemd, ein kurzes, dunkles Leder, helle Hosen und dunkle Strümpfe. Der Knappe steht auf einem mit Felsbrocken übersäten Vordergrund, im Mittelgrund erkennt man als weiteren deutlichen Hinweis auf den Bergbau das dunkle Mundloch eines Stollens, einer Höhle oder eines Verhaus, während sich oberhalb der Bildszene das Blau des Himmels öffnet.

Die Darstellung des Heiligen Daniel als des legendären biblischen Erzfinders im Bildprogramm des Grünen Saales des Neusohler Thurzo-Hauses ist ein bemerkenswerter Beleg für die europaweite, quasi „internationale“ Kultur des Bergbaus im ausgehenden Mittelalter und der frühen Neuzeit. Die tragende Rolle und Bedeutung von Johann Thurzo und der Fugger - vertreten durch Ulrich I. (1449 - 1510), Georg (1453 - 1506) und Jakob (1459 - 1525) - als Bergbaugewerken im niederungarischen, slowakischen Metallerzbergbau und Partner in der Fugger-Thurzo-Gesellschaft als der wichtigsten und bergwirtschaftlich bedeutsamsten Montanunternehmung der Region ist allgemein bekannt. Thurzo ist sicherlich eine der „markantesten Persönlichkeiten jener an Führergestalten reichen Periode des Frühkapitalismus und hat der Stadt Neusohl und ihrem Bergbau entscheidende Prägung gegeben“ (Heilfurth). Der niederungarische Metallerzbergbau und die viel versprechendenvielversprechenden Gewinnchancen bewegten Thurzo dazu, seinen Wohnsitz von Krakau nach Neusohl zu verlegen und dort das Thurzo-Haus an zentraler, repräsentativer Stelle im Neusohler Stadtbild zu errichten. Man wird deshalb auch in der Einschätzung nicht fehlgehen, dass die Ausmalung des Grünen Saales mit den Fresken als „Programm“ aufzufassen ist und die Bildszenen auf die Persönlichkeit und die Tätigkeit Thurzos Bezug genommen haben.

Die Bildszene der Erzauffindung durch den Heiligen Daniel - auf der rechten Saalseite an zentraler Stelle - besitzt denn auch im Bildprogramm eine besondere Bedeutung: Sie belegt schon allein durch ihre Existenz innerhalb des ansonsten weitgehend christlich geprägten Programms und durch die Präsenz des Heiligen den „Anspruch“ und die „Berechtigung“ der Thurzo’schen Tätigkeit im niederungarischen, slowakischen Bergbau. Dass der Heilige Daniel im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert häufig als Schutzpatron bei bergmännischen Aktivitäten in Anspruch genommen worden ist, mehrfach Bergwerken seinen Namen gegeben hat und das Thema der Legende der Erzfindung durch diesen Heiligen damals als Beleg für eine glückliche göttliche Fügung auch in anderen Bergrevieren außerordentlich gern verwendet worden ist, bezeugen u. a. die bekannt gewordenen, annähernd gleichzeitigen Darstellungen in der Michaelskapelle in Imst (Tirol; um 1470/1480), auf der Predella der Barbarakapelle von Gossensass (Südtirol, Anfang des 16. Jahrhunderts), auf dem Titelblatt des Schwazer Bergbuchs (1546) und - in ganz besonderem Maße - auf dem Bergaltar des Hans Hesse im sächsischen Annaberg (1521). Letzterwähnte Darstellung der Erzfindung durch den Bergmann Daniel Knappe, dessen vergebliche Suche nach Reichtümern in der Baumkrone und der Hinweis des Engels auf die Erzlagerstätte am Fuße des Baumes weisen außergewöhnlich enge motivische Verbindungen zu der Fresko-Darstellung im Grünen Saal auf. Sie könnte sogar aufgrund der um etwa 40 Jahre früheren Entstehungszeit gegenüber dem Annaberger Bergaltar als Vorbild für diesen aufgefasst werden. Dass Thurzo sich auch anderer Heiliger des Montanwesens quasi „versichert“ hat, belegt das Bildprogramm des Grünen Saales in aller Deutlichkeit, zählen doch die Heiligen Barbara, Eustachius und Georg zu den Nothelfern in „schwierigen Lebenslagen“. Die Darstellung der Barbara als „Donner-Heiligen“ mag vielleicht sogar auf die Verwendung von Schießpulver als Sprengmittel hinweisen.

Die „Internationalität“ der verwendeten Motive und Bildthemen ist bemerkenswert und setzt eine gemeinsame Kenntnis der Legende in Niederungarn und Sachsen, d. h. im deutschsprachigen Bergbau, voraus. Das niederungarische, slowakische Montanwesen zählte damals zu den in jeder Hinsicht innovativsten Bergrevieren, die Wirkungen der bergmännischen Kultur strahlten in andere Reviere aus; Thurzos unternehmerische Expansionen in mitteleuropäischen Montanbezirke sind bekannt. Wenn die Vermutung zutrifft, dass die 1477 entstandene Goslarer Bergkanne eine Auftragsarbeit Johann Thurzos für den Goslarer Rat gewesen ist, dann besitzt man in der Existenz des Heiligen Georgs als Drachentöter und Beschützer des Rammelsberges und als Deckelfigur der Bergkanne einen deutlichen Hinweis auf die Beliebtheit dieses Heiligen im Montanwesen: Er findet sich quasi als „Haus-Heiliger“ auch unter den Heiligendarstellungen im Grünen Saal.

So belegen die Fresken im Grünen Saal des Neusohler Thurzo-Hauses in eindrucksvoller Weise das Verhältnis eines international tätigen Montangewerken zur und sein Verständnis von der Kunst. Sie sollte ihm und seinem Unternehmen „dienen“, Johann Thurzo vermittelte in diesem Bildprogramm dem Betrachter die damals international herrschende Vorstellungen vom Verhältnis des Montanwesens zur christlich geprägten Weltanschauung des Abendlandes und verband damit zugleich auch „handfeste“ Überlegungen. Das Neusohler Bildprogramm und seine Fresken sind als „Versicherungen“ und „Belege“ für die Berechtigung der Thurzo’schen Existenz und seiner Montanunternehmungen aufzufassen und spiegeln die damals allgemein gültige Vorstellungswelt wieder. Die eigentliche Bedeutung der Neusohler Fresken aber liegt in dieser „Internationalisierung“ der bergmännischen Kultur. Sie müssen als herausragende Dokumente dieser Zeitumstände bewertet werden.

LITERATUR:
Lichner, Ján: Slowakei. Kunstdenkmäler in der Tschechoslowakei. Ein Bildhandbuch (hrsg. v. Reinhardt Hootz), München/Berlin 1979, S. 12 f. und S. 356; Heilfurth, Gerhard: Die bergmännische Danielverehrung im Licht jüngster Funde von der Slowakei bis Burgund, in: DER ANSCHNITT 15, 1963, Heft 2, S. 3-19; ders.: Der Bergmannsheilige Daniel, in: Zeitschrift für Volkskunde 50, 1953, S. 247-260; Schreiber, Georg: Der Bergbau in Geschichte, Ethos und Sakralkultur, Köln-Opladen 1962, S. 310 ff.; ders.: Daniel im Bergbau, in: DER ANSCHNITT 5, 1953, Heft 3, S. 12 f.; Hochberger, Ernst: Slowakei, Bd. 1, Sinn 1990, S. 649-658; Slotta, Rainer: Das slowakische Erzgebirge und seine Denkmäler, in: Slotta, Rainer/Labuda, Jozef (Hrsg.): „Bei diesem Schein kehrt Segen ein“ - Gold, Silber und Kupfer aus dem Slowakischen Erzgebirge, Bochum 1997 (= Publikationen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum. 69), S. 71-96, hier S. 85; frdl. Mitteilungen und Auskünfte von Herrn Direktor Milan Soka, Stredoslovenské Múzeum, Banská Bystrica. - Vgl. auch die Abbildungen von weiteren Fresken aus dem Grünen Saal des Thurzo-Hauses in diesem Heft des ANSCHNITTS.

Foto: Milan Soka, Stredoslovenské Múzeum, Banská Bystrica

Prof. Dr. Rainer Slotta, Bochum

MEISTERWERKE BERGBAULICHER KUNST UND KULTUR


Nr. 95Zunftfahne der Dürrnberger Bergknappen
Zunftfahne der Dürrnberger Bergknappen
Seide auf Leinen, 220 cm x 210 cm, 1750 (1950 und 1990 restauriert)
Bad Dürrnberg, Wallfahrtskirche, Eigentum der Bruderlade

Zu den kostbarsten Dokumenten des historischen Dürrnberger und Halleiner Salzbergbaus gehört die im Jahre 1750 vom Salzburger Fürsterzbischof Andreas Jakob von Dietrichstein gestiftete Zunftfahne der Halleiner Bergknappen, die zu den Insignien der Bad Dürrnberger Bruderlade gehört. Diese Fahne ersetzte nach der Inschrift auf der Vorderseite eine ältere, wohl 1670 geschaffene Fahne. Beide Fahnenseiten sind ähnlich aufgebaut und zeigen auf hellem Grund vor einem schwarz-roten, mit Astansätzen versehenen Andreaskreuz ein Wappen bzw. ein wappenähnliches Medaillon. Bei der Restaurierung wurden beide Fahnenseiten voneinander getrennt und in je einer Vitrine auf der nördlichen und südlichen Chorwand der Wallfahrtskirche des Bergortes aufgehängt.
Die Vorderseite der Dürrnberger Bergfahne beginnt mit der Darstellung der Heiligen Rupertus und Virgil und der Jahreszahl 1750. Rupertus (gest. um 720) als erster Salzburger Erzbischof gilt als Gründer des Erzbistums und des dortigen Salzbergbaus, sein Attribut ist ein Salzfässchen zu seinen Füßen. Die Verehrung dieses ersten Salzburger Erzbischofs setzte am 24. September 774 mit der Beisetzung seiner Gebeine im Salzburger Dom ein, der von dem aus Irland stammenden Bischof Virgil (745 - 784) begonnen worden ist. Mit der Darstellung dieser beiden Bischöfe werden gleichsam das hohe Alter und die Rechtswirksamkeit der Bruderlade als zunftmäßige Vereinigung der Bergknappen belegt. Im Zentrum der Vorderseite steht das Wappen des Stifters der Fahne, Erzbischof Andreas Jacob von Dietrichstein, darüber in einer Kartusche die mahnenden, an die Bruderlade gerichteten Worte: "Nach achzig Jahr, da gantz veralt / mich wiederum in neuer Gstalt / für seine Treue Saltzwerks leut / Andreas gibt zur Gnaden beuth". Damit erinnert der Erzbischof "seine" Bergknappen an seine Gunstbezeigung und verplichtet sie sich ihm zugleich in eindeutiger Weise.

Die Rückseite zeigt innerhalb eines von vergoldeten Schwüngen gebildeten Medaillons im oberen Bereich den Dürrnberg, über dessen Gipfel die gekrönte Mutter Gottes mit dem Jesuskind auf dem Schoß segnend thront. Diese Darstellung wiederholt das 1612 - vielleicht vom erzbischöflichen Hofbildhauer Hans Waldburger - geschaffene Gnadenbild der Wallfahrtskirche. An den Hängen des Bergmassivs bzw. im Berg unter Tage arbeiten die mit der Dürrnberger Tracht gekleideten Knappen. Diese spezifische Arbeitskleidung besteht aus einem Zwillichkittel mit dem schwarzen "Bergkappel" und dem Bergleder. Ein Knappe schlägt beidhändig mit der Keilhaue ein, zwei andere knien neben einem Haspelschacht mit aufgezogenem Kübel und beten die Muttergottes an. Der Haspelschacht stellt wahrscheinlich eine Soleschöpfpütte dar, eine seit dem Hochmittelalter überlieferte Laugwerksform. Diese Schöpfarbeit, die äußerst arbeitsintensiv und charakteristisch für die alte Laugwerkstechnik war, wurde von Schöpfknechten ausgeführt, so dass die beiden knienden Knappen wohl als Schöpfknechte angesprochen werden müssen. Die im Kübel geförderte Sole wurde vor dem Schacht in einen Solemesskasten (oder Zimentiertrog) ausgegossen; von dort lief die Sole aus dem Berg zum Siedehaus. Ein Karrenläufer schiebt einen gefüllten Förderwagen aus dem Stollenmundloch heraus, das mit einem hölzernen Schutzvorbau versehen ist; ein Markscheider führt seine Messung mit Kompass und Gradbogen, die Stunde mit der Linie wird von seinem Gehilfen gehalten. Zwischen den auf rotem Grund gezeichneten Wappen von Salzburg und des Bergbaus (mit gekreuztem Schlägel und Keilhaue) findet sich in einer Kartusche die Inschrift: "Drum wider allen Feundes g'walt, / Bis s'aigne Blut gantz roth mich mahlt, / DIR grosßer Fürst! mein treu ver pflicht / Treu: oder g'wiß kein Berg-knapp nicht."

Der untere Bereich des Medaillons zeigt als besondere Dokumentation für das Brauchtum der Dürrnberger Bergleute den so genannten Schwerttanz der Knappen: 14 um einen Fahnenträger kreisförmig angeordnete Bergknappen in Tracht und mit blauer Schärpe tragen ein Schwert und bewegen sich rhythmisch zum Spiel eines Flötisten und eines Trommlers. Dieser Schwerttanz, der als bedeutender Brauch im Bereich des Halleiner Salzbergbaus erstmals im Jahre 1586 urkundlich erwähnt wird, aber sicherlich ein noch höheres Alter aufweisen kann, wurde (und wird) als reiner Männerreigen nur bei besonderen Anlässen aufgeführt und besitzt - trotz seiner kriegerischen Bezeichnung - einen durchaus friedlichen Charakter. Das Schwert diente den Knappen nur als Verbindung untereinander. Der Tanz symbolisiert als Rund- und Kettentanz Szenen aus dem Arbeitsleben, wobei neben dem immer wieder durchgeführten Rundtanzen und gereimten Sprüchen mehrere Figuren gebildet werden. Im 16. und 17. Jahrhundert waren es noch 16, im 19. Jahrhundert wurde die Zahl der Tanzfiguren auf zwölf "Bilder" und dadurch die Aufführungszeit von 90 auf 45 Minuten reduziert. Zu den zwölf "Bildern" zählen "Die Anstalt oder das Einschichten", das "Anfahren in den Berg", die "Schlagende Brücke", das "Aufschlagen des Stollens", das "Aufbrechen des Schurfes und der Rolle" (Rutsche), die "Errichtung des Kastens" (des hölzernen Einseihkastens), der "Hallensturz", das "Flechten und Überspringen" (Überwinden von Hindernissen), die "Krone" (Reverenz an den Landesherrn), der "Berg" (Reverenz an Gönner und Gäste), der "Schlangentanz" (die Ausfahrt aus dem Berg) und das "Antreten zum Ausschichten und der Abmarsch". Da der Schwerttanz eine musische Nachbildung des Arbeitslebens unter Tage ist, wird er auch nur bei Dunkelheit mit Geleucht, Fackeln und bengalischem Licht durchgeführt. An der Aufführung nehmen neben der 50 Mann starken Bergkapelle drei Mann Fahnenabordnung, ein Steiger als "Aufführer", 20 Tänzer, Beleuchter, Zwergehüter und bis zu 30 Fackelzwerge teil. Nach dem am Dürrnberg zuletzt 1997 anlässlich der Aufnahme der Stadt Salzburg in das Weltkulturerbe durch die UNESCO gepflegten Brauch wird der Knappentanz von den Weihnachtsschützen mit Handböllern eingeschossen. Daraufhin formieren sich die Knappen nach dem festlichen Aufmarsch auf einem Podium.

Die Ausstattung der Dürrnberger Bruderlade als zunftmäßig organisierte Vereinigung der Bergknappen mit Insignien um die Mitte des 18. Jahrhunderts ist auffallend. In jenen Jahren entstehen eine eigene Bergkirche mit der berühmten Figur des Heiligen Rupertus als Schutzpatron der Dürrnberger Knappen durch Josef Anton Pfaffinger und eben auch die Knappenfahne. Sie gehört zu den ältesten Bergbaufahnen im deutschsprachigen Bereich und ist zugleich ein gutes Beispiel für einen Fahnentypus, der sich mit seinen großen Abmessungen aus den Kriegsfahnen entwickelt hat. Die Fahne ist wahrscheinlich die älteste Bergbaufahne Österreichs mit spezifisch montanistischen Darstellungen.

Die Stiftung der Knappenfahne durch den Salzburger Erzbischof ist nach den Unruhen der Jahre 1731/32, als die Knappen wegen ihres Festhaltens an ihrem protestantischen Glauben ihre Heimat verlassen haben, wohl als ein bewusst eingesetztes Mittel des Erzbischofs zur "Beruhigung" seiner zeitweilig "renitenten" und aufsässigen Bergleute gewesen. Damit sicherte er einerseits den Knappen eine gewisse Selbständigkeit und "schrieb" diese für die Zukunft fest, andererseits "band" er die Knappen durch die Verleihung einer Fahne an sich und das Erzfürstentum. Diesem ambivalenten Handeln des Erzbischofs entsprechen die beiden Inschriften auf der Fahne in aller Deutlichkeit - appelliert der Fürsterzbischof doch fast "drohend" an die Treue "bis an den Tod" und an das Standesbewusstsein "seiner" Bergknappen.

Andreas Jakob Reichsgraf von Dietrichstein war - trotz seiner nur kurzen Amtszeit als Salzburger Fürsterzbischof - offenbar ein reichstreuer, durchsetzungsfähiger und starker Charakter mit großen machtpolitischen Ambitionen. Er wurde am 27. Mai 1689 im mährischen Iglau geboren und verstarb am 5. Januar 1753 in Salzburg. Nach dem Eintritt in den Malteserorden im Jahre 1697 studierte von Dietrichstein in Salzburg und wurde dort 1708 auf kaiserliches Ersuchen Domherr und 1719 zum Priester geweiht. Seit 1729 Domdechant, stieg er im folgenden Jahr zum Dompropst auf und erhielt zugleich ein Kanonikat in Olmütz. 1747 wurde er dann zum Erzbischof von Salzburg gewählt. Die päpstliche Bestätigung mit der Verleihung des Palliums sowie die Konsekration durch den Gurker Bischof erfolgte 1749. Als historisch bedeutsamste Leistung seines Episkopats gilt die reichsrechtliche Sanktionierung des erblichen Titels eines "Primas Germaniae" für die Salzburger Erzbischöfe.

Vor diesem Hintergrund der Sicherung fürsterzbischöflicher Macht am Dürrnberger Salzberg durch von Dietrichstein stehen die Darstellungen auf der Fahne in einer starken inneren Spannung zueinander: Auf der Vorderseite weist der Fürsterzbischof in der Inschrift auf die Stiftung der Fahne hin und verbindet sein Verdienst mit einem deutlichen Hinweis auf die Tradition, in der er sich selbst als Nachfolger der Heiligen Rupertus und Virgil und damit als Bewahrer und Schützer des Bergbaus im Salzburger Land betrachtet; sein Wappen belegt diese Intention. Auf der Rückseite wird der Bergknappe selbst mit seiner Arbeit als Lebensgrundlage im vom Fürsterzbischof gewährleisteten weltlichen und kulturellen Kosmos vorgestellt und als Einzelperson regelrecht "eingebunden": Zuoberst ist die schützende Muttergottes als Gnade spendende "Mater admirabilis" sowie als Personifikation der Kirche und des Glaubens dargestellt, links und rechts finden sich das Salzburger Wappen und das Bergbauemblem als Symbole der weltlichen und gesellschaftlichen Gewalt, zuunterst die Gemeinschaft der Knappen im Schwerttanz als Zeichen der Einbindung des Einzelnen in eine zunftmäßige Ordnung. Die Mitte der Fahne nimmt eine die Knappen verpflichtende, fast "drohende" Inschrift ein. Sie belegt in eindeutiger Weise den Anspruch des Fürsterzbischofs an sein Bergvolk und dokumentiert das "Programm" dieser Fahne in aller Klarheit: Die Dürrnberger Knappenfahne ist also keineswegs nur ein einzigartiger Beleg für eine frühe Darstellung des Halleiner Schwerttanzes als kulturell-bedeutsames Phänomen, sondern auch ein sehr aussagefähiges Dokument für den Anspruch eines Landesherrn auf die Wahrung seiner Interessen bei der Durchführung und Fortsetzung des Bergbaus als Garanten für die Prosperität seines Territoriums.

LITERATUR:
Salz (hrsg. v. d. Salzburger Landesausstellungen), Salzburg 1994, S. 152 und S. 274 ff.; Das Halleiner Salzwesen und seine bildliche Darstellung in den Fürstenzimmern des Pflegamtsgebäudes zu Hallein (bearb. v. Heinrich Winkelmann), Lünen 1966; Wolfram, Richard: Der Halleiner Schwerttanz, in: Der Anschnitt 7, 1955, Heft 4, S. 2 - 8; Hl. Rupert von Salzburg 696-1965. Katalog der Ausstellung im Dommuseum zu Salzburg und in der Erzabtei St. Peter (hrsg. v. Dommuseum zu Salzburg), Salzburg 1996; Wagner, H.: Der Dürrnberg bei Hallein. Ein kulturgeschichtlicher Abriss, Salzburg 1904, S. 20 - 25; Fuchsberger, Gustl: Wallfahrtskirche Maria Dürrnberg, Bad Dürrnberg/Salzburg 1993; Slotta, Rainer: Meisterwerke bergbaulicher Kunst und Kultur, Nr. 79: Hl. Rupertus als Schutzpatron der Dürrnberger Knappen, in: Der Anschnitt 49, 1997, Heft 3 (Beilage); Andreas Jakob Reichsgraf von Dietrichstein, in: Deutsche Biographische Enzyklopädie (DBE), München/New Providence/London/Paris 1995, Bd. 2, S. 538; frdl. Hinweise und Auskünfte der Salinen Austria GmbH, Hallein, Herr Markscheider Johann F. Schatteiner.

Foto: Johann F. Schatteiner, Hallein

Prof. Dr. Rainer Slotta, Bochum

MEISTERWERKE BERGBAULICHER KUNST UND KULTUR


Nr. 97Tafelaufsatz für den Wirkl. Geh. Oberbergrat und Berghauptmann a. D. Dr. Hermann Brassert
Tafelaufsatz für den Wirkl. Geh. Oberbergrat und Berghauptmann a. D. Dr. Hermann Brassert (1820-1901), Direktor des Rheinischen Oberbergamtes Bonn
800er Silber, gegossen, gedrückt, getrieben, ziseliert, punziert, graviert und in Teilen vergoldet, 1892
H 74 cm, B 54 cm, T 28,5 cm, Gew. 3300 g
Juwelier: Carl Hugo Schaper (1844-1915), hergestellt bei Koch & Bergfeld, Bremen
Bochum, Deutsches Bergbau-Museum (Inv.-Nr. 3656)

Im Mai 2001 konnte ein bemerkenswerter silberner Tafelaufsatz aus dem Kunsthandel für das Deutsche Bergbau-Museum Bochum erworben werden. Dieser Tafelaufsatz entwickelt sich aus einem weit ausladenden, ovalen Fuß mit seitlich angeordneten muschelartigen Schalen. Aus der Mitte wächst ein kräftiger Nodus mit Inschriftfeldern heraus, daraus wiederum ein mit zwei Maskaron-verzierten Griffhenkeln versehener, reich geschmückter Stil, der eine weit ausladende Schale trägt, die von einer Bergmannsfigur abgeschlossen wird. Der gesamte, sehr hohe und breite Aufsatz verwendet die Formensprache des Historismus, die ausgearbeiteten Detailformen sind außerordentlich sorgfältig und exakt gearbeitet und weisen die hohe Meisterschaft des herstellenden Juweliers aus, die Oberflächen der einzelnen Aufsatzteile sind von Profilen und Schmuckformen übersät. Der Tafelaufsatz „lebt“ und wirkt aus dem Wechsel von glatten und verzierten Partien. Der Aufsatz ist gestempelt („800“, „Halbmond“, „Krone“ und „H. Schaper“) und trägt die Marke der Bremer Firma Koch und Bergfeld.
Die „Krönung“ des Aufsatzes ist eine silberne, vollplastisch gearbeitete, gegossene Bergmannsfigur. Der in Tracht wiedergegebene Knappe steht im „klassischen“ Kontrapost; er hält in der rechten Hand seine geschulterte Keilhaue und in der linken einen Wappenschild mit den Jahreszahlen „1864 bis 1892.“ Gekleidet ist der Bergmann mit einem Schachthut (mit dem von der preußischen Krone überragten Bergbauemblem Schlägel und Eisen auf der Vorderseite), mit Schweißtuch, reich mit Bordüren geschmückter Puffjacke, Tscherpertasche und Leder, Kniehosen, -bügeln und -strümpfen sowie schweren Schuhen.

Die Frage, wem dieser so außerordentlich aufwendige und kostbare Tafelaufsatz verehrt worden ist, wird durch eines der beiden Medaillons am Fuß beantwortet: Auf der Hauptansichtsseite des Aufsatzes befindet sich die Widmung „Ihrem / scheidenden Berghauptmann, / Wirkl. Geh. Obernbergrath Dr. Brassert / die Beamten des Obernbergamtsbezirks / Bonn.“, während das Medaillon auf der Rückseite an entsprechender Stelle das von einem Lorbeerkranz umgebene und von der preußischen Krone überragte Bergbauemblem Schlägel und Eisen sowie seitlich das Datum „1. Oktober / 1892.“ trägt.

Walter Serlo, der wichtigste Biograph deutscher Bergmannsfamilien, hat Hermann Friedrich Wilhelm Brassert als den „glänzendsten Vertreter der Familie“ bezeichnet: Brassert gilt als Begründer der deutschen Berggesetzgebung. Am 20. Mai 1820 in Dortmund geboren, studierte er Jura in Berlin, Heidelberg und Bonn und war Schüler von Friedrich Carl von Savigny (1779-1861) in Berlin und von Friedrich Christoph Dahlmann (1785-1860) in Bonn. 1846 zum Referendar und 1848 nach dem Bestehen der großen juristischen Staatsprüfung zum Oberlandesgerichts-Assessor ernannt, begann er seine bergmännische Laufbahn im Jahre 1849 als Justitiar beim Bergamt in Siegen. Dort erwarb er sich schnell den Ruf eines Spezialisten auf dem Gebiet des Bergrechts. 1850 zum Bergrat und 1855 zum Oberbergrat befördert, veröffentlichte er im Jahre 1858 sein grundlegendes Werk „Bergordnungen der Preußischen Lande, Sammlung der in Preußen gültigen Bergordnungen nebst ergänzenden Erläuterungen und Ober-Tribunalsentscheidungen“ und begründete 1860 - zusammen mit Dr. Heinrich Achenbach (1829-1899) - die bis heute erscheinende „Zeitschrift für Bergrecht“. 1861 erschien sein Werk „Das Bergrecht des Allgemeinen Preußischen Landrechts in seinen Materialien“. Die Spezialisierung auf das Bergrecht führte dazu, dass der preußische Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten, August Freiherr von der Heydt (1801-1874), Brassert aufforderte, ein „Gutachten, das den Entwurf eines Allgemeinen Berggesetzes begleiten soll, zu erstellen“ und auf eine eilige Vorlage dieses Gutachtens drängte. Am 15. Juni 1864 wurde Brassert zum Geheimen Bergrat und vortragenden Rat im Handelsministerium und im Dezember des gleichen Jahres zum Berghauptmann und Oberbergamtsdirektor in Bonn ernannt; der Amtsantritt erfolgte am 1. April 1865.

Nur wenige Wochen später wurde auf der Grundlage von Brasserts Arbeiten das Allgemeine Berggesetz für die Preußischen Staaten in Kraft gesetzt. 1866 führte man dieses Gesetz auch in den zu Preußen neu hinzugekommenen Gebieten des Herzogtums Nassau, Hessen-Homburg sowie Kurhessen ein. 1869 übernahm Brassert die Leitung des Bergwesens in den Fürstentümern Waldeck und Pyrmont und leitete von 1871 bis 1874 die Geschäfte des Kaiserlichen Obergamtes für Elsass-Lothringen; am 1. April 1874 trat das Berggesetz für Elsass-Lothringen in Kraft.

Am 18. April 1876 bat der inzwischen das Amt des preußischen Ministers für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten bekleidende Dr. Heinrich Achenbach seinen schon aus Siegener Zeiten bekannten Kollegen Dr. Brassert, ein Gutachten über die Frage zu erstellen, ob das Bergrecht aus dem neu zu schaffenden Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch auszuschließen sei. 1888 erschien Brasserts Kommentar zum Allgemeinen Berggesetz für die Preußischen Staaten, 1889 verlieh ihm der Minister für Öffentliche Arbeiten, Albert von Maybach (1822-1904), den Rang eines Wirkl. Geh. Oberbergrates im Range eines Rates 1. Klasse.

Brassert wurde im Laufe seines Dienstes mit hohen Orden und Ehrungen ausgezeichnet: 1858 mit dem Roten Adler-Orden 4. Klasse, 1865 mit dem Roten Adler-Orden mit Schleife und 1892 mit dem Roten Adler-Orden 2. Klasse. Wie geschätzt Brasserts Arbeiten und Ansichten waren, geht auch daraus hervor, dass ihm Wilhelm I. (1797-1888, seit 1861 König von Preußen) persönlich eine jährliche „Miethzinsentschädigung“ und Reichskanzler Bismarck (1815-1898) eine besondere Zahlung von 500 Talern für seine Bemühungen um das elsass-lothringische Berggesetz bewilligten. Am 1. Oktober 1892 schied Brassert im Alter von 72 Jahren auf eigenen Wunsch aus dem aktiven Dienst. 1894 veröffentlichte er einen Kommentar zum novellierten Preußischen Berggesetz, noch 1900 wurde Brassert aus Anlass seinen 80. Geburtstages der „Charakter eines Wirkl. Geh. Rates mit dem Prädikat Exzellenz“ verliehen. Brassert verstarb am 16. März 1901 in Bonn und wurde auf dem dortigen Friedhof beigesetzt. Mehrere Schachtanlagen, Straßen und Örtlichkeiten etwa in Marl und Bonn tragen seinen Namen.

Hermann Brassert war seit 1850 mit Anna Sophie Elise (1820-1883), der Tochter des Dortmunder Kreisgerichtsdirektors Carl Wilmans und dessen Gemahlin Eleonore Kottenkamp verheiratet; der Ehe entstammten zwei Töchter, Helene (1851-1926) und Emmy (1858-1910).

Bezeichnend für Brasserts Bescheidenheit ist, dass er einen Abdruck eines vielseitigen Aufsatzes, der sein Wirken beschrieb und würdigte, im Ministerialblatt nicht wünschte, so dass dieser Aufsatz lediglich „zu den Personalakten“ genommen worden ist. Gerhard Boldt würdigte jedoch Brasserts Liebenswürdigkeit und Geradlinigkeit: „Bei allem Können, bei allen Ehrungen und Auszeichnungen, die er erhielt, blieb Brassert, der sich selbst einmal als „Sonntagskind“ bezeichnete, bis zu seinem Lebensende ein einfacher und bescheidener Mann. Bezeichnend mag die geradezu spartanische Ausstattung seines privaten Arbeitszimmers sein, dessen Hauptinventarstücke ein einfaches Stehpult und ein altes Ledersofa waren, sowie die Tatsache, dass er die Schweizer Taschenuhr, die er sich 1848 in Berlin gekauft hatte, bis zu seinem Lebensende trug. Kennzeichnend für ihn ist auch, dass er aus der von ihm gegründeten, bis zu seinem Tode geleiteten Zeitschrift für Bergrecht keinerlei Gewinn gezogen hat. Auch hat er stets die Übernahme der ihm wiederholt angebotenen Aufsichtsratsposten abgelehnt, da er ein freier, unabhängiger Mann bleiben wollte“.

Den kostbaren Tafelaufsatz erhielt Brassert von den Beamten des Oberbergamtsbezirks Bonn aus Anlass seiner Verabschiedung in den Ruhestand am 25. September 1892, d. h. wenige Tage vor seinem tatsächlichen Ausscheiden aus dem aktiven Dienst. Über die Schenkung des Tafelaufsatzes heißt es in der Zeitschrift Glückauf: „Die Bergbeamten des Oberbergamtsbezirks Bonn wollten ihren allverehrten Vorgesetzten, dessen Rücktritt sie alle schmerzlich bedauern, nicht scheiden lassen, ohne ihm ihre Liebe und Dankbarkeit auch äußerlich durch ein dauerndes Ehrengeschenk und eine würdige Abschiedsfeier zu erkennen zu geben. Das erstere ist in Gestalt eines von dem Hof-Goldschmied Schaper zu Berlin aus getriebenem mattem Silber vortrefflich hergestellten, mit bergmännischen Emblemen verzierten und mit einer besonderen Widmung versehenen Tafel-Aufsatzes am Sonntag Vormittag den 25. September dem Scheidenden in seinem neuen Heim zu Bonn durch eine Abordnung der Beamten feierlichst überreicht worden“. Zu der Abordnung gehörten u. a. der Oberberghauptmann a. D. Dr. August Huyssen (1824-1903), die Geh. Bergräte Nicolaus Fabricius (1831-1894), Gustav von Velsen (1847-1923) sowie Oberbergrat Franz Anton HaßlacherHaßlacher (1838-1921).

Der 1844 in Berlin geborene und auch dort am 18. Juli 1915 verstorbene Juwelier und Hofgoldschmied Carl Hugo Schaper wurde vor allem durch seine Schmuckarbeiten und Silbergerätschaften seit 1876 auf zahlreichen, großen Ausstellungen bekannt. Zunächst der Formenwelt des Historismus verbunden, wandte er sich seit 1896 dem Jugendstil zu und erstellte u. a. vielbeachtete kunstvolle Silbermontierungen von Tiffany-Glas. Der Brassert-Aufsatz ist einer seiner kunstvollen, wenn auch eher konventionellen Entwürfe, der von der überaus renommierten Bremer Firma Koch und Bergfeld ausgeführt worden ist.

Der Brassert-Tafelaufsatz gehört zu den umfangreichsten und größten Ehrengeschenken, die verdienten Bergleuten als Dank für die geleistete Arbeit verehrt worden sind: Er ist ein wahres Meisterwerk bergbaulicher Kunst und Kultur, in dem sich die Bedeutung dieser herausragenden Persönlichkeit im deutschen Rechtsleben, deren Wirken für die Gesetzgebung und für die wirtschaftliche Entwicklung des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart von maßgebender Bedeutung gewesen ist, in angemessener Weise widerspiegelt.

LITERATUR:
Boldt, Gerhard: Hermann Brassert. Sein Leben und Wirken, in: Zeitschrift für Bergrecht 106, 1965, S. 42-53; ders.: Hermann Brassert, in: Rheinisch-westfälische Wirtschaftsbiographien 9, 1967, S. 39-56; Schulte, Wilhelm: Westfälische Köpfe, Münster 1963, S. 41; Loerbroks, Alfred: Nachruf für Hermann Brassert, in: Zeitschrift für Bergrecht 42, 1901, S. 1 ff.; Nachruf auf Hermann Brassert, in: Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen im Preußischen Staate 49, 1901, Heft 1 (Beilage); Abschiedsfeier für den Wirkl. Geh. Oberbergrat und Berghauptmann Dr. Brassert zu Bonn am 25. Sept. 1892, in: Glückauf. Berg- und Hüttenmännische Zeitung 28, 1892, Nr. 79, S. 889-892; Serlo, Walter: Die Familie Brassert, in: Glückauf 1927, S. 1082 und 1747; ders.: Bergmannsfamilien im Rheinland und Westfalen, in: Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsbiographien 3, 1936, S. 179-191; ders.: Männer des Bergbaus, Berlin 1937, S. 25 f.; Pieper, Wilhelm: H. F. W. Brassert, in: Neue Deutsche Biographie 2, 1955, S. 536 f.; Artikel Brassert, in: Deutsche Biographische Enzyklopädie (DBE), hrsg. v. Walther Killy, München (u.a.) 1995, Bd. 2, S. 74 f.; frdl. Mitteilungen und Auskünfte von R. Bona, Goslar.

Foto: R. Bona, Goslar

Prof. Dr. Rainer Slotta, Bochum

Norman Fuchsloch:
"The Poet Understands Nature Better than the Scientist" - Remarks on Novalis's Project to Romanticise Natural Sciences

Novalis set out to romanticise science, above all natural sciences. He attempted to achieve this aim in his literary works and an encyclopaedia project. His early death put a premature at end to this plan. The majority of his writings have now been published in a historical criticism. (Historisch-Kritische Ausgabe). The following remarks attempt to make Novalis's reflections transparent by arguing close to the text. As regards the Allgemeine Brouillon, Mähl stresses that it is not a fragment collection but a collection of notes for the subsequent development of thoughts. The difference between the two is that the former has been revised for publication. However, if Friedrich Schlegel, Ludwig Tieck and Eduard von Bülow thought it was possible and opportune to use approximately 300 entries or at least parts thereof in their own fragment collections, the dividing line does not appear to be so sharp. Published and unpublished texts are therefore put together to show their interrelationship and to permit conclusions to be drawn on the intentions of the author.
First of all, the article analyses the background to the ambitious project for romanticising natural sciences under the motto romanticisation and poetisation of the encyclopaedia and creation of a universal science. With reference to his personal suitability and the knowledge which Novalis acquired of natural sciences in Freiberg, his thoughts on natural sciences and technology are examined and their transformation into the literary form analysed.

Norman Fuchsloch:
"Der Poët versteht die Natur besser, wie der wissenschaftliche Kopf" -
Bemerkungen zu Novails‘ Projekt der Romantisierung der Naturwissenschaften

Novalis setzte sich zum Ziel, die Wissenschaften, vor allem die Naturwissenschaften zu romantisieren. Dieses Ziel strebte er durch sein literarisches Schaffen und ein Enzyklopädieprojekt an. Sein früher Tod setzte diesem Plan ein vorzeitiges Ziel. Der weit überwiegende Teil seiner Schriften ist inzwischen in einer Historisch-Kritischen Ausgabe publiziert. Die folgenden Bemerkungen versuchen, durch eine textnahe Argumentation Novalis' Überlegungen transparent zu machen. Hinsichtlich des Allgemeinen Brouillon betonte Mähl, es handele sich dabei nicht um eine Fragmentsammlung, sondern um eine Ansammlung von Notizen für die spätere Ausarbeitung der Gedanken. Der Unterschied zwischen beidem besteht darin, dass Erstere künstlerisch zur Veröffentlichung überarbeitet sind. Wenn es jedoch Friedrich Schlegel, Ludwig Tieck und Eduard von Bülow möglich war und opportun erschien, ungefähr 300 Einträge oder zumindest Teile daraus in ihren eigenen Fragmentsammlungen zu verwenden, so scheint die Trennung nicht so scharf zu sein. Veröffentlichte und unveröffentlichte Texte sind daher in einer Weise zusammenzuführen, die ihre gegenseitige Beziehung verdeutlicht und Rückschlüsse auf die Intentionen des Urhebers erlaubt.
Zunächst werden die Hintergründe des ehrgeizigen Projekts der Romantisierung der Naturwissenschaften unter den Leitgedanken Romantisierung und Poëtisierung, der Encyclopädie und der Schaffung einer Universalwissenschaft betrachtet. Unter Bezugnahme auf die persönliche Eignung und Novalis‘ Erwerb naturwissenschaftlicher Kenntnisse in Freiberg wird dessen Denken zur Naturwissenschaft und Technik untersucht und schließlich dessen Umsetzung in die literarische Form analysiert.

Hans-Henning Walter:
Novalis and the salt, iron and steel industries

The homeland of Friedrich von Hardenberg, the Kurfürstentum of Saxony, has been one of the world's most important mining centres for many centuries now. The raw materials extracted from the mines in Saxony were used by the foundries, saltworks and "mining factories" in the area not only to produce silver, tin and lead but also gold, copper, bismuth, zinc and mercury as well as arsenic compounds, sulphur, vitriols, alum, sulphuric acid, cooking salt and cobalt dyes for the ceramics industry. All these manufacturing processes were taught, scientifically researched and often developed into leading-edge technologies at the Freiberg Mining Academy. This interaction between theory and practice, which was unknown at the other universities of the time, gave Novalis a host of ideas for his philosophical work, "Philosophy of daily life", in which he set out to unite all sciences and arts.
Some points of contact between theory and practice in the Saxon mining industry and Friedrich von Hardenberg's edifice of ideas are discussed in the following article. It starts by outlining Novalis‘s family connections to the salt-mining industry, then goes on to follow his studies of chemistry under the tuition of Wilhelm August Lampadius, as well as of mining art and mineralogy under Abraham Gottlob Werner. Furthermore, the article deals with the iron and steel industry of that time and Novalis‘s contributions to the implementation of the latest theoretical knowledge as the state of the art.

Hans-Henning Walter:
Novalis und das Salinen- und Hüttenwesen

Das Heimatland Friedrich von Hardenbergs, das Kurfürstentum Sachsen, gehörte seit Jahrhunderten zu den wichtigsten Bergbauzentren der Erde. Aus den in sächsischen Gruben geförderten Rohstoffen erzeugten zahlreiche Hütten, Salinen und „Bergfabriken“ nicht nur Silber, Zinn und Blei, sondern auch Gold, Kupfer, Wismut, Zink und Quecksilber sowie Arsenpräparate, Schwefel, Vitriole, Alaun, Schwefelsäure, Kochsalz und keramische Kobaltfarben. Alle diese Herstellungsverfahren wurden an der Bergakademie Freiberg in der Lehre vertreten, wissenschaftlich erforscht und nicht selten zu führenden Technologien weiterentwickelt. Aus dieser Wechselwirkung von Theorie und Praxis, die an den anderen Hohen Schulen der damaligen Zeit unbekannt war, bezog Novalis zahlreiche Anregungen für sein Gedankengebäude, seine „Philosophie des täglichen Lebens“, worin er alle Wissenschaften und Künste vereinigen wollte.
Einige Berührungspunkte zwischen der Theorie und Praxis des sächsischen Montanwesens und dem Gedankengebäude Friedrich von Hardenbergs werden im folgenden Beitrag zur Diskussion gestellt. Ausgehend von Novalis‘ familiären Beziehungen zum Salinenwesen werden vor allem seine Ausbildung im Bereich der Chemie durch Wilhelm August Lampadius sowie in der Bergbaukunst und Mineralogie durch Abraham Gottlob Werner verfolgt. Ferner widmet sich der Aufsatz dem zeitgenössischen Hüttenwesen sowie Novalis‘ Beiträgen zur Umsetzung anwendungsbereiten Wissens auf dem zeitgenössischen Stand der Wissenschaft.

Franz Schüppen:
"I am now for bourgeois architecture" -
Novalis as a Romantic Poet of the Mining Industry

The poet Novalis left his mark on the world of thought and poetry. His development of Romantic thought - partly following the philosophy of Johann Gottlieb Fichte, who was teaching in Jena at the time, of Immanuel Kant and the Dutchman Frans Hemsterhuis - had a lasting impact on his contemporaries and on the later epoch of New Romanticism at the end of the 19th century. After all, he was a well-respected figure of German literature to whom substantial studies were dedicated.
The profound thoughts of Novalis, which were often published in the form of short adages, aphorisms, sayings and fragments - so popular with German Early Romantics, have been taken up and developed throughout the world. On the basis of the republished Historisch-Kritische Ausgabe (Historical Criticism), the article examines the relationship between Novalis's novels and mining and puts it into the context of the Romantic attitude of mind and the start of the Industrial Revolution in Saxony. With reference to the technical writings of the poet, the author argues in favour of a new view of Novalis and his predictions of social upheavals in the industrial age of the 19th century.

Franz Schüppen:
"Jetzt ist bey mir bürgerliche Baukunst." -
Novalis als romantischer Dichter des Bergbaus

Der Dichter Novalis hat in der Geschichte des Denkens und Dichtens seine Spuren hinterlassen. Seine Entwicklung romantischer Gedanken - im Anschluss z. T. an die Philosophie des damals in Jena lehrenden Johann Gottlieb Fichte, an Immanuel Kant und den Holländer Frans Hemsterhuis - wirkte nachhaltig auf seine Zeitgenossen und auf die spätere Epoche der Neuromantik am Ende des 19. Jahrhunderts ein. Er war schließlich eine hochangesehene Gestalt der deutschen Literaturgeschichte, der gehaltvolle Studien gewidmet wurden.
Die vielfach in Form von kleinen spruchartigen Überlegungen, aphoristischen Splittern und Fragmenten veröffentlichten tiefsinnigen Gedanken von Novalis, wie sie bei den deutschen Frühromantikern beliebt waren, sind in der ganzen Welt aufgenommen und weiterentwickelt worden. Auf der Grundlage der neu edierten Bände der Historisch-Kritischen Ausgabe untersucht der Artikel den Bergbaubezug von Novails‘ Romanprojekten und ordnet diesen vor dem Hintergrund von romantischer Geisteshaltung und industriellem Aufbruch in Sachsen ein. Mit Bezug auf die technischen Schriften des Dichters plädiert der Autor für eine neue Sichtweise zu Novalis und dessen Vorahnung gesellschaftlicher Umbrüche im industriellen Zeitalter des 19. Jahrhunderts.

Sabine Schetelich:
Novalis in Freiberg -
The Mark Left by the Poet and How his Works are Received

The 200th anniversary of the death of Novalis attracted great attention this year. In his short life, he united profession and vocation in a unique way. As a student of the Mining Academy in Freiberg, which at the end of the 18th century was still young but already world-famous, he regarded this town as a very special place in connection with ore mining. Therefore, the town of Freiberg offers enough reasons and opportunities for reflections on the life and works of the poet from different aspects: cultural and literary history on the one hand and the history of natural sciences on the other. This approach is exactly the way Novalis saw things. He translated experience and knowledge into poetry and made discoveries in poetry which disclosed the sense of life for mankind and nature. The works which were written in Freiberg on the basis of his experience of the Freiberg mining industry, the letters written from Freiberg to friends and acquaintances as well as the memories of his contemporaries who stayed at that time in Freiberg give the cultural and historical background to the subsequent reflections.
The article first examines the cultural climate at the time when Novalis studied at the mining academy in Freiberg then goes on to analyse its effect on Novalis's literary works. It follows with an overview of how the former GDR received and dealt with Novalis and of the increased interest from different scientific disciplines since the beginning of the 1990. Taking the example of the works of Frank Führmann, the article finally examines and explains the romantic phenomenon of mining in contemporary literature.

Sabine Schetelich:
Novalis in Freiberg -
Prägung des Dichters und Rezeption seines Werkes

Dem 200. Todestag des Dichters Novalis galt in diesem Jahr große Aufmerksamkeit. In seinem kurzen Leben verbanden sich Beruf und Berufung auf einzigartige Weise. Als Student der Ende des 18. Jahrhunderts noch jungen, aber schon weltberühmten Akademie für Bergbau in Freiberg empfand er diese Stadt in Verbindung mit dem Erzbergbau als ganz besonderen Ort. So bieten sich von Freiberg aus Anlass und Gelegenheit genug für Überlegungen zum Leben und Wirken des Dichters aus unterschiedlichen Fachgebieten: Kultur- und Literaturgeschichte einerseits und Geschichte der Naturwissenschaften andererseits. Diese Betrachtungsweise liegt ganz im Sinne von Novalis, Erfahrung und Erkenntnis in Poesie zu übersetzen bzw. in der Poesie Entdeckungen zu machen, die den Sinn des Daseins von Mensch und Natur erschließen. Die in Freiberg und unter den Freiberger Erfahrungen mit Bergbau entstandenen Werke, der Briefwechsel von Freiberg aus an Freunde und Bekannte sowie Erinnerungen von Zeitgenossen, die sich seinerzeit in Freiberg aufhielten, geben den folgenden Überlegungen den kulturhistorischen Hintergrund dafür.
Der Aufsatz geht zunächst dem kulturellen Umfeld während Novalis‘ Studienzeit an der Bergakademie Freiberg nach und analysiert im Folgenden dessen Prägung auf Novalis‘ literarisches Schaffen. Es folgt ein Überblick zur Rezeption und zum Umgang mit der Person von Novalis in der ehemaligen DDR und zum gesteigerten, interdisziplinär-wissenschaftlichen Interesse seit Beginn der 1990er Jahre. Am Beispiel des Werkes von Franz Fühmann wird schließlich die Frage nach der Auseinandersetzung mit dem romantischen Phänomen des Bergwerks in der zeitgenössischen Literatur untersucht.

Hans Otto Gericke:
The Saltworks of Middle Germany Change Over to Coal as a Fuel
The larger saltworks of Artern, Kösen and Dürrenberg in the regions belonging to Kursachsen until 1815

It is a well-known fact that Kursachsen suffered from an acute shortage of cooking salt until the beginning of the 18th century. Beforehand, it was forced to obtain most of its supplies from the saltworks of the neighbouring duchy of Magdeburg, in particular from Halle (Saale). The efforts of the Saxonian rulers to find and extract salt in their state failed for many years. It was not until the second quarter of the 18th century that things began to change. Thanks to his tenacity, Johann Gottfried Borlach not only managed to extract salt from a old salt spring but also to put two new salt springs into production. As a result, three completely new saltworks started up production of boiled salt in the Kursachsen region within a few decades, namely the saltworks of Artern (1728), Kösen (1732) and Dürrenberg (1765).
Following the territorial adjustments agreed at the Congress of Vienna in which parts of Saxony were awarded to Prussia, the Kursachsen salt works found themselves confronted with a completely new situation, as they were located in the regions which formed the new Prussian province, Saxony. They were put under the Superior Board of Mines in Halle and continued to be state-run.

The article mainly deals with fuel supplies for the saltworks, in particular the largest Saxonian salt mine at that time, Dürrenberg. Although little else changed when Prussia took over responsibility, the big difference was in the statutory regulations governing the mining of coal. Whereas the mining of coal in Prussia was a state monopoly, in Kursachsen the coal mandate of 1743 gave the land owners the right to mine coal. Therefore, any entitlement to mine coal depended on the purchase of the right land or on a mining permit.

Hans Otto Gericke:
Der Übergang zur Kohlenfeuerung in den bis 1815 kursächsischen Salinen
Die größeren Salinen Artern, Kösen und Dürrenberg

Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts litt Kursachsen bekanntlich erheblichen Mangel an Kochsalz. Größtenteils war es darauf angewiesen, den Bedarf des Landes aus den Salinen des benachbarten Erzstifts bzw. Herzogtums Magdeburg zu beschaffen, insbesondere aus Halle (Saale). Die von den sächsischen Herrschern veranlassten Bemühungen, Salz im eigenen Lande zu gewinnen, waren lange Zeit ohne ernsthaften Erfolg geblieben. Ein Wandel begann erst im zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts. Dank hartnäckiger Anstrengungen gelang es Johann Gottfried Borlach, nicht nur eine schon früher genutzte Solquelle wieder auszubeuten sondern auch zwei weitere ergiebige Solquellen zu erschließen. Daraufhin nahmen in den kursächsischen Gebieten drei vollkommen neu errichtete Salzwerke binnen weniger Jahrzehnte die Produktion von Siedesalz auf, nämlich die Salinen von Artern (1728), Kösen (1732) und Dürrenberg (1765).
Für die kursächsischen Salinen trat infolge der auf dem Wiener Kongress festgelegten Gebietsabtretungen Sachsens an Preußen eine völlig neue Lage ein, denn sie lagen alle in den Regionen, die nunmehr Bestandteile der neu gebildeten preußischen Provinz Sachsen wurden. Sie wurden dem Oberbergamt Halle unterstellt und weiterhin fiskalisch betrieben.

Der Beitrag behandelt vorrangig die Frage nach der Brennstoffversorgung der Salinen, wobei der Schwerpunkt auf der ehemals größten sächsischen Saline Dürrenberg liegt. Wenngleich beim Übergang in die preußische Verantwortung kaum nennenswerte Unterbrechungen der Kontinuität zu verzeichnen sind, so lag der entscheidende Unterschied in den rechtlichen Voraussetzungen für den Kohlenbergbau. Während der Abbau von Kohle in Preußen unter das Regalrecht subsumiert war, galt in Kursachsen mit dem Kohlenmandat von 1743 das Recht der jeweiligen Grundeigentümer zum Kohlenabbau. Die Berechtigung zur Kohlengewinnung setzte also den käuflichen Erwerb entsprechender Flurstücke oder einer Abbauberechtigung voraus.

H. Dietrich Gleichmann:
The Herdorf-Dermbach mine, Hüttenwäldchen
The little iron ore mine in the Siegerland

In the middle of the 1990s, Mineralien- und Bergbaufreunde Herdorf e. V., an association of the friends of Herdorf, began to uncover a small branch of a structure, whose surface was only exposed on the hill slope next to the road running from Struthütten to Dermbach. This structure had formerly been preserved for the deep gallery of the Hüttenwäldchen mine. The association hoped that they would then gain access to the mine workings hidden behind this structure. To their complete surprise, they discovered the equipment of a machinery shaft which had been used in the early years of industrial mining, the mid-nineteeth century, in many iron ore mines in the Siegerland. The relict from this time was a valuable industrial monument.
The article reconstructs the history of the Hüttenwäldchen mine. Starting with an outline of the deposits, it goes on to describe early commercial drift mining operations. Around the middle of the 19th century, the mine changed over to deep-cast mining and, after a non-productive period in the 1870/80s, experienced a renaiissance around 1900. In the second part of the article, the circumstances surrounding the driving and designing of the machinery shaft and its technical equipment are explained.

H. Dietrich Gleichmann:
Die Herdorf-Dermbacher Grube Hüttenwäldchen
Eine kleine Eisenerzzeche des Siegerlandes

Mitte der 1990er Jahre hatten die Mineralien- und Bergbaufreunde Herdorf e. V. begonnen, das nur noch mit einem Stich seines Gewölbes aus dem Berghang neben der Straße Struthütten-Dermbach herausschauende, damals für den Tiefen Stollen der Grube Hüttenwäldchen gehaltene Bauwerk zu öffnen und den Zugang zu den dahinter verborgenen Grubenbauen wieder zu ermöglichen. Überraschend kam dabei die Anlage eines kleinen Maschinenschachtes zu Tage, wie er in den frühen Jahren des industriellen Bergbaus seit Mitte des 19. Jahrhunderts für viele Betriebe im Siegerländer Eisenerzbezirk typisch war. Die in ihren Grundzügen gut erkennbaren Relikte stellen ein wertvolles technisches Denkmal dar.
Der vorliegende Aufsatz rekonstruiert zunächst die Betriebsgeschichte der Grube Hüttenwäldchen. Ausgehend von den Voraussetzungen der Lagerstätte werden die Anfänge des industrialisierten Betriebes beschrieben, die z. T. auf den Grundlagen des früheren Stollenbergbaus beruhten. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts ging die Grube zum Tiefbau über und sie erlebte nach einer Ruhephase in den 1870/80er Jahren um 1900 nochmals eine zweite, produktive Phase. Im zweiten Teil des Beitrages werden die Umstände zur Auffahrung und zur Auslegung des Maschinenschachtes sowie seiner technischen Einrichtungen beleuchtet.

Peter Eichhorn:
Fire-setting and Ore Falls
The mining methods used in the Rammelsberg ore mine around 1700

After the end of the 30 Years' War, the Rammelsberg ore mine managed to increase production in line with rising demand and to make mining operations safer. Therefore, the years up to 1700 were marked by a stabilisation of mining technology. The dramatic drop in production at the beginning of the 1720s was not due to problems at the mine but the result of a shortage of timber throughout the Harz and the sudden recession on the market for noble metals. Nevertheless, the high technical standard of the mining equipment meant that it was possible to continue mining operations with any major changes to the end of the 18th century.
Although the techniques, processes and methods employed in Rammelsberg were rather conservative compared with the other mines in the Upper Harz, the owners were still able to make a profit even when the timber shortages forced them to cut production. Therefore, improving the efficiency of mining operations, e.g. by modernising the equipment and methods, was not one of the owners' primary concerns. As the accidents which occurred during that time were rarely due to the mining methods used, they also saw no need to change their old ways for safety reasons.

The article deals with the special mining method used in Rammelsberg around 1700 of setting fires to heat and crack the rocks containing the ore and then waiting for the rock to fall away.

Peter Eichhorn:
Feuersetzen und Tretungen
Die Gewinnungsverfahren im Erzbergwerk Rammelsberg um 1700

Nach Beendigung des 30-jährigen Krieges gelang es dem Erzbergwerk Rammelsberg, die Förderleistungen der gewachsenen Nachfrage anzupassen und den Grubenbetrieb sicherer zu gestalten. Die Zeit bis 1700 war deshalb durch eine Stabilisierung der Bergtechnik gekennzeichnet. Der drastische Rückgang der Förderung Anfang der 1720er Jahre war dann nicht innerbetrieblichen Problemen geschuldet, sondern einer Holzversorgungskrise im gesamten Harz und der abrupt schlechter werdenden Situation auf dem Edelmetallmarkt. Gleichwohl ermöglichte es der erreichte technische Standard, den Grubenbetrieb ohne gravierende Veränderungen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts fortzuführen.
Zwar blieben die im Rammelsberg angewandten Techniken, Verfahren und Methoden im Vergleich zu anderen Bergwerken im Oberharz eher konservativ, doch verhinderten sie selbst in der Phase der durch Holzverknappung gedrosselten Produktion die Erwirtschaftung von Gewinnen nicht. Eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit des Grubenbetriebes z. B. durch die Modernisierung der Anlagen und Verfahren war deshalb nicht von vorrangigem Interesse. Da die zeittypischen Unfallursachen schließlich weitgehend außerhalb der eingesetzten Abbau- und Gewinnungsverfahren lagen, ergaben sich auch aus sicherheitlichen Erwägungen keine zwingenden Notwendigkeiten zur Veränderung der etablierten Bergtechnik.

Der Artikel widmet sich vor dem Hintergrund der weitgehenden Konstanz der Bergtechnik den speziellen Gewinnungsverfahren des Feuersetzens und der Tretungen im Erzbergwerk Rammelsberg um 1700.

Hans-Heinz Emons:
Das "bunte, bittere" Salz im Huy
Die Geschichte des Kaliwerkes Wilhelmshall-Dingelstedt

The Huywald foothills running parallel to the Harz mountains lie to the north of Halberstadt between the communities of Dardesheim and Schwanebeck and have a ridge height of 300 m above sea level. The four wells sunk in the northern part from 1882 to 1887 served to develop the upper Zechstein salt series with the Stassfurt potassium deposits which had been forced up towards the surface by folding and compression. The construction of the Wilhelmshall I pit in 1892 marked the actual beginning of the potassium era in Huy, which caused industry and the communities in the region to flourish. After an eventful economic development, as reflected in the various owners, the then three pits and the above-ground factory facilities were shut down in June 1926.
At the end of 1934, the Munitions Office took over the plant to set up an ammunition factory. After the Second World War, it was under the control of American forces until 30 June 1945 and then of the Soviet occupying power, until the "decommissioned plant" was handed over in October 1948 to the central potassium administration, later called VVB Kali or Kombinat Kali. Attempts to restart operations between 1958 and 1961 were discontinued even before the pit repairs were completed. Today various buildings testify to the almost 100-year history of "colourful, bitter" salt in Huywald.

Hans-Heinz Emons:
Das "bunte, bittere" Salz im Huy
Die Geschichte des Kaliwerkes Wilhelmshall-Dingelstedt

Der Huywald, ein Parallelausläufer des Harzes, liegt nördlich von Halberstadt zwischen den Gemeinden Dardesheim und Schwanebeck mit einer Kammhöhe von 300 m über N.N. Die in seinem nördlichen Teil in den Jahren 1882 bis 1887 niedergebrachten vier Bohrungen erschlossen die Salzfolge des Oberen Zechsteins mit dem Kalilager der Stassfurtserie, das hier durch Faltung und Pressung in Oberflächennähe gelangte. Mit dem Teufen des Schachtes Wilhelmshall I im Jahre 1892 begann die eigentliche Kalizeit im Huy, die ein industrielles und kommunales Aufblühen des Gebietes zur Folge hatte. Nach einer wechselhaften wirtschaftlichen Entwicklung, die sich auch in den Besitzverhältnissen widerspiegelte, kam es im Juni 1926 zur Stilllegung der bis dahin vorhandenen drei Schächte sowie der übertägigen Fabrikanlagen.
Ende 1934 übernahm das Heeresmunitionsamt das Werk zum Aufbau einer Munitionsfabrik. Nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs unterstand es bis zum 30. Juni 1945 zunächst der amerikanischen, dann der sowjetischen Besatzungsmacht, ehe es im Oktober 1948 als "Stillgelegte Anlage" von der Hauptverwaltung Kali, später VVB Kali bzw. Kombinat Kali übernommen wurde. Wiederbelebungsversuche zwischen 1958 und 1961 wurden dann bereits vor Vollendung der Schachtreparaturen wieder eingestellt. Heute erinnern verschiedene übertägige Gebäude an die fast 100-jährige Geschichte des bunten, bitteren Salzes im Huywald.

Gernot Schmidt:
Terrestrial Open-Air Salterns of the Iberian Peninsula

Marine salterns where salt for human consumption is produced by evaporation of seawater in coastal lagoons in France, on the Iberian Peninsula and the Balearic Islands have been widely publicised and are known to many travellers. However, information on terrestrial open-air salterns is hard to come by. Such saltworks on land are less common since the NaCl concentration of brine springs is frequently too low and the periods of bright sunshine are too short to facilitate the production of salt on a reasonable scale.
Two terrestrial open-air salterns still exist on the Iberian Peninsula: the Salinas de Añana in Northern Spain, the last remaining example of several salterns in that region, and the Salinas de Rio Maior in Central Portugal. While operations at the saltern in Spain have essentially ceased, the saltern in Portugal is still fully operational. Both salterns draw their fairly concentrated brine from the shallow caprock of salt diapirs. The Salinas de Añana, the oldest of its kind in Spain, has been exploited probably since the times of the Roman Empire, certainly since the Arabs occupied Spain. The existence of the Salinas de Rio Maior has been documented since the 12th century. The article describes the historical facilities and mode of salt production at these salterns, their history, economic environment, evolution of ownership and present state.

Gernot Schmidt:
Terrestrische Freiluft-Salinen der Iberischen Halbinsel

Während die Meerwasser-Salinen Frankreichs, der Iberischen Halbinsel und der Balearen in der einschlägigen Literatur vielfach beschrieben und auch vielen Urlaubsreisenden wenigstens durch Reiseführer bekannt sind, finden sich Informationen über Freiluft-Salinen auf dem Festland eher spärlich. Das hängt auch damit zusammen, dass die terrestrische Salzgewinnung durch einfache Verdunstung von Quellsole an der Sonne wegen der zumeist geringen Konzentration der Sole und zu schwacher oder zu kurz andauernder Sonneneinstrahlung nicht so verbreitet war.
Auf der Iberischen Halbinsel existieren noch zwei terrestrische Freiluft-Salinen, die beide für den interessierten Reisenden leicht zugänglich sind: Die Salinas de Añana nahe Vitoria in Nord-Spanien und die Salinas Naturais von Rio Maior-Fonte da Bica in Mittel-Portugal. Nur zur Salinas de Añana finden sich jedoch äußerst knapp gehaltene Hinweise in der Literatur. Die Salzgewinnung in Salinas de Añana war schon um 1988 so unwirtschaftlich und rückläufig, dass nur noch die Hälfte der Anlagen genutzt wurde. Inzwischen ist sie fast vollständig zum Erliegen gekommen. Seit 1999 fördert die baskische Provinz-Regierung auch die Region um Añana für den Tourismus, wobei die verfallenden Salzgewinnungsanlagen als ein besonderes Reiseziel dargestellt werden. Die Salinas von Rio Maior in Portugal sind jedoch noch voll in Betrieb und stellen mindestens seit Mitte der 1990er Jahre eine für den Tourismus erschlossene Attraktion dar, wenngleich die Werbung nicht weit wirkt. Die Geschichte beider Salinas reicht zumindest bis in die Zeit der Araber auf der Iberischen Halbinsel vor der Reconquista zurück.

Johann F. Schatteiner/Thomas Stöllner:
"Men in Salt - Mining Casualties"
Accidents in Dürrnberg Salt Production

In Hallein, 15 km to the south of Salzburg, salt was mined as early as prehistoric times by the Celts. From the 6th century B.C. onwards, rock salt was produced by underground dry mining, with underground workings up to a depth of 220 m. Their investigation is today one of the main areas of study of the mining archaeology department at the German Mining Museum in Bochum. After the decline of the late Celtic oppida civilisation and a suspension of mining in this area for about a thousand years, salt production was resumed in the 12th century. Until recently, salt was produced by the leaching technique developed by monks involving bucket conveyors and water. The large saltern on Perner Island in Hallein was put into operation with one pan in 1860, but only a few years later four pans were available for salt production. The thermocompression system installed in 1955 permitted an annual output of 71,000 t of industrial salt. However, it became increasingly difficult to sell this salt during the 1980s and finally salt mining at Dürrnberg was wound up on 31 July 1989.
Due to exposed working conditions underground, accidents occurred time and again in the history of salt mining at Dürrnberg. Combined with aggravated external conditions, some of them were mining disasters with numerous fatalities. In the late 16th and early 17th century, miners who had perished in Celtic times were discovered preserved in the salt. The circumstances of their death are discussed with the aid of contemporary source texts and new findings of mining archaeology. Accidents involving Dürrnberg miners between the 15th and 20th centuries are analysed on the basis of partly preserved plaques and written sources.

Johann F. Schatteiner/Thomas Stöllner:
"Männer im Salz - Verunglückte Knappen"
Grubenunglücke und Arbeitsunfälle im Dürrnberger Salzbergbau

In der 15 km südlich von Salzburg gelegenen alten Salinenstadt Hallein wurde bereits in prähistorischer Zeit durch die Kelten Salzbergbau betrieben. Die seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. erfolgte Gewinnung des Steinsalzes im untertägigen Trockenbau führte zu Grubenbauen mit Seigerteufen von bis zu 220 m, deren Erforschung heute mit zu den Aufgabenschwerpunkten des Fachbereichs Montanarchäologie beim Deutschen Bergbau-Museum in Bochum zählt. Nach dem Niedergang der spätkeltischen Oppidazivilisation und einem etwa 1000 Jahre währenden Abbaustillstand wurde die Salzgewinnung im 12. Jahrhundert wieder aufgenommen. Bis in jüngste Zeit gewann man das Salz nun in der von Mönchen entwickelten Technik des "Laugverfahrens" in Schöpfwerken mit Wasser. Als dann 1860 die Großsaline auf der Pernerinsel in Hallein mit vorerst einer Pfanne in Betrieb genommen worden war, standen einige Jahre später vier Pfannen zur Salzproduktion zur Verfügung. Die 1955 neu errichtete Thermokompressionsanlage erlaubte eine jährliche Produktion von 71 000 t Industriesalz, deren Absatz während der 80er Jahre jedoch immer schwieriger wurde und am 31. Juli 1989 schließlich die Liquidation des Salzbergbaus am Dürrnberg nach sich zog.
Den exponierten Arbeitsplätzen unter Tage geschuldet, kam es auch in der Geschichte des Dürrnberger Salzbergbaus immer wieder zu Arbeitsunfällen. Im Zusammenhang mit erschwerten äußeren Bedingungen äußerten sie sich zum Teil als katastrophale Grubenunglücke mit zahlreichen Toten. Im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert förderte der Bergbau im Salz konservierte, bereits zu keltischer Zeit verstorbene prähistorische Bergleute zu Tage. Die Umstände ihres Todes werden anhand zeitgenössischer Quellentexte und neuer montanarchäologischer Forschungsergebnisse diskutiert. Teilweise erhaltene Totentafeln und schriftlicher Quellen liegen dann der Analyse von Verunglückungen Dürrnberger Bergleute aus der Zeit vom 15. bis ins 20. Jahrhundert zugrunde.

Christoph Bartels:
The Cistercians in Medieval Mining
The Importance of their Monasteries for Mining and Smelting in the Harz Region

Both in the Middle Ages and subsequently, the establishment and spread of the Cistercian order as one of the most important spiritual and religious phenomena of the 12th century had a substantial economic impact. The order also played a significant part in mining in the High Middle Ages. The history and records of the monasteries involved in mining are therefore very important for the history of medieval mining. Although the sources handed down are only fragmentary in some areas, the typical cultivation of the art of writing in monasteries led to source texts which are in many cases completely or largely missing in the records of the nobility, knightly families or town merchants otherwise engaged in mining.
Three basic elements in the structure of the Cistercian order essentially determined its mining activities. Apart from a particular work ethic characterising the Cistercian movement during its establishment and expansion, they included the monastery's management of its own economic affairs as a key factor in the practice of religion as well as the specific institution of lay brethren.

On this basis, the role of Cistercians in European mining is outlined and, in particular, the question discussed whether the monasteries themselves are to be regarded as the mine operators. Then the mining industry in the Harz region as an important ore-mining area in the Middle Ages is analysed in the light of the Cistercian monasteries of Goslar (Neuwerk) and Walkenried.

Christoph Bartels:
Die Zisterzienser im Montanwesen des Mittelalters
Die Bedeutung ihrer Klöster für den Bergbau und das Hüttenwesen des Harzraumes

Sowohl im Mittelalter als auch in der Folgezeit hatte der Aufbau und die Ausbreitung des Zisterzienserordens als eines der bedeutendsten geistig-religiösen Phänomene des 12. Jahrhunderts einen tief reichenden Einfluss auf die Ausgestaltung der Wirtschaft. Der Orden spielte auch eine bedeutende Rolle im Montanwesen des Hochmittelalters, so dass Geschichte und Überlieferung der dem Montanbetrieb verbundenen Klöster für die Montangeschichte des Mittelalters besonders wichtig sind. Wenngleich die Quellenüberlieferung in manchen Bereichen lediglich bruchstückhaft vorliegt, so führte die klostertypische Pflege der Schriftlichkeit aber zu Quellentexten, die aus den Kreisen der sonst im Montanwesen engagierten Adelshäuser, ritterlicher Familien oder der städtischen Kaufmannschaft oft entweder ganz fehlen oder nur spärlich vorhanden sind.
Es waren vor allem drei Grundkomponenten im Gefüge des Zisterzienserordens, die dessen montanwirtschaftliche Aktivitäten im Wesentlichen bestimmten. Neben einem spezifischen Arbeitsethos, das die zisterziensische Bewegung in der Auf- und Ausbauphase kennzeichnete, waren es zudem die klösterliche Eigenwirtschaft als tragendes Element der Religionsausübung sowie das spezifisch geformte Institut der Laienbrüder (Konversen).

Ausgehend von diesen Grundlagen wird die Rolle der Zisterzienser im europäischen Montanwesen skizziert und insbesondere die Frage diskutiert, inwieweit die Klöster selbst als Betreiber der Montananlagen zu betrachten sind. Anschließend wird die Montanwirtschaft des Harzes als bedeutender Erzregion des Mittelalters mit Blick auf die Rolle der Zisterzienserklöster Neuwerk in Goslar und Walkenried analysiert.

MEISTERWERKE BERGBAULICHER KUNST UND KULTUR

Nr. 94
Schatulle mit Bergwerksszenen als Geschenk für den Geh. Bergrat Ernst LeuschnerSchatule
Mitteldeutschland (Lutherstadt Eisleben ?), 1894
Holz, Leder, Silber, Seide, L 44 cm, B 36 cm
Bochum, Deutsches Bergbau-Museum (Inv.-Nr. 4854)

Aus dem Kunsthandel konnte das Deutsche Bergbau-Museum Bochum jüngst eine schwere Schatulle in Buchform mit Ledereinband erwerben. Das Innere der seitlich aufklappbaren Schatulle ist mit gelbgoldenem Seidenstoff ausgeschlagen und hat wohl zur Aufnahme von Schriftstücken und Urkunden gedient, der recht breite Rücken weist eine Goldprägung auf. Auf dem Deckel befinden sich als sofort ins Auge fallende Schmuckelemente innerhalb einer Streifenrahmung aufwendig ausgeführte, glänzende Silberbeschläge, die in den Ecken als Kreisornamente mit halbkreisförmigen Begleitformen sowie auf den Längs- und Schmalseiten als Ovale ausgebildet sind. Im Zentrum des Schatullendeckels wurde ein silberner Lorbeerkranz mit dem Bergbauemblem Schlägel und Eisen angebracht, die abflatternde Schleife, die beide Zweige zusammenhält, trägt die Inschrift "Den 11. April 1844 - 1894." Eine Zuordnung der Schatulle an eine bestimmte Persönlichkeit und ein Bergbaurevier war bislang in der Forschung nicht möglich.
Die Darstellungen in den silbernen Medaillons belegen allerdings in eindeutiger Weise die Herkunft der Schatulle aus dem Mansfelder Kupferschieferbergbau. Die obere, längliche Darstellung zeigt zwei Knappen bei ihrer Tätigkeit als Hauer im Streb, wie sie - auf der Seite liegend - das Flöz mit Schlägel und Eisen hereingewinnen. Das untere Medaillon dokumentiert die Strebförderung: Ein Treckejunge hat sich einen der flachgebauten, mit Haufwerk gefüllten Strebhunte an den Fuß gebunden und schleppt diesen, sich mühsam an Sohle und Firste abstützend, durch den Streb. Die beiden anderen Medaillons auf den Schmalseiten tragen Darstellungen aus dem Hüttenwesen: Links einen Arbeiter am Raffinierofen (bzw. kleinen Treibofen) beim Silber- oder Kupferguss, rechts einen Arbeiter am Spurofen. Bei letzterem fließt die Schmelze zum Absaigern in einen Gießwagen.

Konnte die Zuordnung der Schatulle durch die Medaillons ins Mansfelder Land sehr schnell erfolgen, so bereitete die Identifizierung des Anlasses zur Schaffung der Schatulle zunächst einige Schwierigkeiten. Das auf der Schleife angegebene Datum gab aber einen deutlichen Hinweis auf den Eigentümer dieser Schatulle, die zweifelsohne als Jubiläumsgeschenk aus Anlass der 50jährigen Wiederkehr eines bestimmten Ereignisses verstanden werden musste. Bei der Qualität des Geschenks lag ferner der Gedanke nahe, dass die Mansfeld'sche Kupferschieferbauende Gewerkschaft der Auftraggeber des Geschenks für eine führende Persönlichkeit aus dem Umfeld des Unternehmens gewesen war. Diese Persönlichkeit konnte schließlich mit dem Geheimen Bergrat Ernst Leuschner als Direktor des damals größten einheitlich geleiteten Bergbauunternehmens im Deutschen Reich identifiziert werden, der am erwähnten 11. April 1844 seine erste Schicht als Schlepper im Waldenburger Steinkohlenbergbau verfahren hatte und am 11. April 1894 das Fest seiner 50-jährigen Bergmannstätigkeit feiern konnte. Damit waren die wichtigsten Fragen, die diese Schatulle umgaben, geklärt.

Ernst Leuschner wurde am 23. Februar 1826 im niederschlesischen Waldenburg geboren, besuchte in Breslau das Gymnasium und studierte an den Hoch- und Fachschulen von Berlin, Breslau und Halle an der Saale. Er trat dann in den Staatsdienst ein und bekleidete verschiedene Positionen - zunächst als Betriebsbeamter in Waldenburg, danach als Berggeschworener beim Salzwerk von Bad Dürrenberg, als Bergmeister und Kgl. Bergrat in Saarbrücken, als Oberbergrat und Mitglied des Kgl. Oberbergamtes in Halle an der Saale und als Bergamtsdirektor von Tarnowitz in Oberschlesien. Am 7. Oktober 1861 wurde Leuschner im Alter von 36 Jahren von der Mansfelder Kupferschieferbauenden Gewerkschaft als Oberberg- und Hüttendirektor nach Eisleben berufen, wo er die Oberleitung der gesamten gewerkschaftlichen Werke innehatte. 1872 zum Geheimen Bergrat ernannt und mit zahlreichen Orden und Ehrungen ausgestattet, war Leuschner seit 1879 Mitglied des Preussischen Abgeordnetenhauses und seit 1882 des Reichstages, dem er bis zu seinem Tode am 3. Mai 1898 angehört hat. Außerdem war er Mitglied des Volkswirtschaftsrates und des Staatsrates.

Zur Erinnerung an diese Führungspersönlichkeit des Mansfelder Bergbaus befindet sich heute das von Anton Seffner geschaffene Leuschner-Denkmal auf dem Alten Friedhof in Eisleben. Auch die Schatulle erinnert an jenen Industriemagnaten, der das Mansfelder Land durch seine Tätigkeit geprägt hat: In ihrer aufwendigen und hohen künstlerischen Gestaltung entspricht sie der ehemaligen Bedeutung des Geheimen Bergrats Ernst Leuschner.

Foto: Astrid Opel, Bochum

Dr. Rudolf Mirsch, Lutherstadt Eisleben/Prof. Dr. Rainer Slotta, Bochum

Rainer Slotta:
Malakow Towers.
Mining shaft towers and
their connection with fortress architecture

When the surface coal deposits were more or less depleted around 1850, the collieries had to turn to deep mining. The economic mining of large quantities of coal from ever increasing depths required shafts with large diameters and the use of high-capacity headgear. The winding towers erected over the shafts had to withstand huge pulley loads which were too much for the wooden constructions previously used. As cast iron, which had been used for construction of bridges and buildings since the beginning of the 19th century, was too brittle for the changing loads, bricklined shaft towers were built. In the second half of the 19th century, these Malakow towers became complicated building structures both for technical and prestige reasons.
The article first gives an outline of how many Malakow towers still exist and analyses five different types of construction taking examples of towers in the Ruhr area. It then shows that Malakow towers were used in various branches of mining throughout central Europe between 1850 and 1875. In the second part of the article, the author describes the fortress architecture of Sevastopol which became so important during the Crimean War of 1853 to 1856 and which led to the name Malakow being used for the mining shaft towers.

Rainer Slotta:
Malakofftürme.
Schachttürme des Bergbaus und
ihre Beziehungen zur Festungsarchitektur

Als im Steinkohlenbergbau um 1850 die leicht zu fördernden oberflächennahen Vorkommen weit gehend abgebaut waren, mussten die Bergwerke verstärkt zum Tiefbau übergehen. Eine ökonomische Förderung großer Mengen aus zunehmenden Teufen setzte Schächte mit großem Durchmesser und den Einsatz von Fördermaschinen mit hoher Leistung voraus. Die über den Schächten errichteten Fördertürme hatten nun gewaltigen Seilscheibenlasten standzuhalten, denen die bisher bekannten Holzkonstruktionen nicht gewachsen waren. Da Gusseisen, das sich seit Beginn des 19. Jahrhunderts im Hoch- und Brückenbau etabliert hatte, für die auftretenden Lastwechsel zu spröde war, kam es zur Ausbildung von gemauerten Schachttürmen. Im Verlauf der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Gestaltung dieser "Malakofftürme" aus technischen und repräsentativen Gründen zur anspruchsvollen Bauaufgabe.
Der Artikel widmet sich zunächst der Bestandsaufnahme von Malakofftürmen und analysiert anhand der im Ruhrrevier erhaltenen Beispiele fünf unterschiedliche Bautypen. Anschließend wird gezeigt, dass Malakofftürme zwischen 1850 und 1875 in verschiedenen Bergbauzweigen in ganz Mitteleuropa ausgeführt worden sind. Im zweiten Teil kennzeichnet er die während des Krimkrieges von 1853 bis 1856 bedeutsame Festungsarchitektur von Sewastopol und klärt die Umstände, die zur Übertragung des Namens "Malakoff" auf die Schachttürme des Bergbaus geführt haben.

Gerhard Lehmann:
"Fine Mining Porcelain".
Supplementary information on an exhibition


With its over 400 exhibits, the "Fine Mining Porcelain - Mining Scenes in White Gold" exhibition, which closed its doors in Bochum in the autumn of 1999 after previously being shown in Dresden and Düsseldorf, must have been one of the most important exhibitions ever held on this subject. The exhibition not only contained an abundance of new information about the connections between the mining industry and porcelain but also triggered further research into the subject.
The article is a review of the exhibition. It deals with supplementary and new information which it was not possible to provide in time for the opening of the exhibition due to unexpected research difficulties at museums, auctioneers' and porcelain manufacturers'. It also describes above all the work of miners and foundry workers for the Meissen porcelain factory, special questions concerning porcelain painting and the Kaendler figures, the most famous mining figures ever produced by the Meissen porcelain factory.

Gerhard Lehmann:
"Ein fein bergmannig Porcelan".
Ergänzende Informationen zu einer Ausstellung


Die Ausstellung "Ein fein bergmannig Porcelan - Abbilder vom Bergbau im `weißen Gold´", die im Herbst 1999 in Bochum zu Ende ging, nachdem sie zuvor in Dresden und Düsseldorf gezeigt worden war, dürfte mit ihren mehr als 400 Exponaten die bisher wichtigste Ausstellung zu diesem Thema gewesen sein. Wenngleich darin bereits eine Fülle auch neuer Informationen über die Bezüge von Bergbau und Porzellan geliefert wurde, hat sie zugleich die Forschungen zum Thema nochmals belebt.
Der Artikel beschäftigt sich mit einer Nachbetrachtung zur Ausstellung. Er behandelt ergänzende und teils neue Informationen, die zum Teil aus unerwarteten Rechercheschwierigkeiten bei Museen, Auktionshäusern und Porzellan-Manufakturen bis zur Ausstellungseröffnung nicht vorgelegt werden konnten. Sie betreffen vor allem das Wirken von Berg- und Hüttenleuten für die Meissener Manufaktur, spezielle Fragen der Porzellanmalerei und die Kaendler-Figuren als wohl berühmteste Bergmannsfiguren der Meissener Manufaktur.

Peter Fischer:
"Bergbeschau" at the Falkenstein near Schwaz in the year 1526

At the beginning of the 16th century the richest silver and copper mines in Europe were near Schwaz in the Tyrol. For many years, mining history research concentrated on the mine owners, the handful of large mining companies and foundry operators, and their connections with the Habsburg nobility. Little, however, was known about the miners who numbered 10,000 in the Schwaz mining region alone.
However, in 1526 a survey was conducted of the largest Schwaz mine complex, Falkenstein, which gave valuable information about the workforce and its structure. Mining operations there were already very efficiently organised. Nearly half of the just under 4,600 miners were employed as diggers and hewers to cut away the ore or dig the tunnels. There was roughly only one simple labourer for every digger or hewer.

A special work structure dominated at that time, the so-called Lehenschaft. 75 % of the digging and hewing work was performed by hewers organised in a Lehenschaft, the rest was done by miners working on piece rates. The Lehenschaft was a common employment relationship in all the mines in the Alps. In Schwaz it usually consisted of 1 to 3 hewers who paid the mining company a certain sum of money which varied and had to be negotiated from year to year. In return, the mining company gave them the right to a part of the mine which they could work. The hewers had to pay dues on the ore which they mined and had to offer it for sale first to the mining company in question. Therefore, ore prices automatically became an issue of conflict.

Even though, the miners working in a so-called Lehenschaft were strictly speaking self-employed businessmen and, over the years, became rather independent, one must not overstress the entrepreneurial element of their work. They were first and foremost workers who had to get their own hands dirty to make money and at the beginning of the 16th century they were still very much under the influence of the mining companies.

Peter Fischer:
Bergbeschau am Falkenstein bei Schwaz im Jahre 1526

"Er hat in seinem kunigreich, neben anndern grossen perckwerchen allain ain perckwerch in Tirol zu sbaz gehabt, das Ime Jedes Jars, fron und wexl tragen hat, anderthalb hundert tausendt gulding", heißt es über die Rolle, die Schwaz in Tirol für Kaiser Maximilian I. gespielt hat. Tatsächlich war sich der "Weiß Kunig" der besonderen fiskalischen Bedeutung dieses Bergsegens immer bewusst. Ausdrücklich würdigte er in seiner im frühen 16. Jahrhundert entstandenen autobiographischen Schilderung das Bergrevier von Schwaz, das zu dieser Zeit ein Montanzentrum von internationalem Rang war.
Aufgrund der Quellenlage hat sich die Montangeschichtsforschung seit langem mit den wirtschaftlichen Aspekten des Schwazer Bergbaus - vor allem der unternehmerischen Seite bergbaulichen Engagements - auseinander gesetzt. Die sozialen Verhältnisse sind dagegen weitgehend vernachlässigt worden, nicht zuletzt weil in den Quellen namentlich die Arbeiterschaft noch weniger in Erscheinung tritt als die Gewerken. Lohnlisten wurden nicht geführt, und Verzeichnisse über vergebene Lehenschaften liegen nicht vor. Dennoch besteht eine bislang weitgehend ungenutzte Möglichkeit, wichtige, über die bloße Nennung der Zahl der Beschäftigten hinausgehende Angaben zu den Arbeitsverhältnissen zu machen, insbesondere zur inneren Struktur der Gesamtarbeiterschaft.

Im Tiroler Landesarchiv in Innsbruck befindet sich der Codex 3658, der bislang nur wenig beachtet, geschweige denn systematisch ausgewertet wurde. Die in einem Pergamenteinband (30,2 cm x 21,1 cm) gefasste Handschrift trägt die Aufschrift "1526 Perckbeschaw zu Schwatz" und enthält 180 gebundene, unpaginierte und drei lose Doppelblätter (= Beilagen 1, 2, 3) aus Papier. Der Originaltitel auf fol. 1r "Beschaw des Perckwerchs zu Swatz am Valkenstain Anno Domini 1526" verweist noch genauer auf den Inhalt: Protokolliert sind die Ergebnisse einer "Bergbeschau", gewissermaßen einer Generalinventur des Bergbaubetriebes am Falkenstein bei Schwaz, die im Jahre 1526 stattfand. Erstaunlicherweise haben die bisherigen Untersuchungen zur Schwazer Bergbaugeschichte diese Quelle nicht oder nur am Rande genutzt. Nach Tätigkeitsbereichen differenzierte Angaben über die Zahl der im Falkensteiner Bergbau Beschäftigten wurden selten und zudem falsch berechnet.